Buch 
Die südöstlichen Gebirge von Graubünden und dem angrenzenden Veltlin / von G. Theobald
Entstehung
Seite
279
JPEG-Download
 

279

und von ihnen abhängig sind, theils um nicht in den Fehler derer zu verfallen,welche das Heil der Wissenschaft in unendlicher Zersplitterung suchen.

a. Die südliche Gruppe.

Steht man auf dem Caneianopass (Profil 16), welcher die Grenzscheide zwi-schen diesem Gebirg und dem Bernina bildet, so breitet sich südlich, als Fort-setzung der Passhöhe, eine ziemlich ansehnliche Strecke von Gletschern aus, derenvorderer allmählich gegen die Spitze des Piz Canciano aufsteigt (3107 M.). Hiertheilt sich der Grat, der eine Zweig läuft südöstlich mit dem Thal von Poschiavoparallel über die Yartegna und Dosso del Giumellino und endigt bei Tirano; derandere Zweig hat südwestliche Richtung und zieht über den Mt. Scalino, 3330 M.,gegen Sondrio. In dem Winkel zwischen beiden liegen ansehnliche Gebirgs-stöcke und mehrere lange Thäler laufen südlich gegen das Addathal aus, währenddie Puschlaver Seite nur kurze Einschnitte zeigt. Die Grenzen des Gebirgs sinddemnach das Thal von Poschiavo, der Caneianopass, Campo Moro, Lanterna undMalenco, südlich im weiten Bogen das Addathal. Eine granitische Kernmasseerhebt sich hoch an der Cima Vicima und Vetta di Rhon, eine andere, durch einenschmalen Streif von schiefrigen Gesteinen davon getrennte, greift von Brusio imPuschlaver Thal herüber.

Den Abhang gegen Malenco haben wir theilweise schon bei der Beschreibungdes Bernina- und Disgraziagebirgs berührt und finden hier wenig hinzuzusetzen.In Campo Moro und dessen oberer Fortsetzung, Yal Poschiavina, findet manTalkglimmerschiefer und grüne Malencoschiefer, welche letzteren die obere Stellebehaupten. Es kommen alle möglichen Abänderungen vor, namentlich viel chlo-ritischer Schiefei'. Das Streichen ist WO h 5 6 7, das Fallen im Ganzennördlich mit Schwankungen nach W und O. Diese Verhältnisse bleiben auf dembreiten, mit ziemlich guten Alpen bestandenen, theilweise auch bewaldeten Plateau,das sich von hier in der Richtung gegen Chiesa fortzieht und durch den aus den-selben Gesteinen bestehenden mächtigen Felsrücken des Mt. Spondaccio vonPoschiavina und Campo Moro getrennt wird. An diesem finden sich senkrechteund auch südlich fallende Schichten, was aber nur local ist. In der Nähe derAlpen Prabella und Aquanera streicht ein mehrfach unterbrochenes Band vonTriaskalk quer über die Terrasse. Es ist derselbe, welchen wir von Lanzada undTorre her kennen. Oben verliert er sich unter dem Gletscher auf der Nordseitedes Piz Canciano, um auf dessen Ostseite wieder hervorzutreten, wo wir ihn