Am Hofe einer Exkönigin,
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Nun haben wir zwar über eine frühere Periode aus dem Leben der Königin Hortense ausder Feder der Frau Parquin, der ehemaligen Vorleserin der Königin, Fräulein Louise Cochelet,Memoiren*, die gleich nach dem Tode der Königin im Jahre 1837 in vier Bänden erschienensind. Allein dieselben brechen mit dem Jahr 1817 ab, lasten also gerade die Zeit, die unsbesonders interessieren würde, das Leben aus Arenenberg , außer Betracht. Zudem wurde dasManuskript vor der Veröffentlichung von seilen der Königin einer genauen Sichtung unterworfen.Sie berichten uns daher mir das, was die Königin aus ihrem Vorleben zur Kenntnis des
Publikums bringen wollte. Das Original-Manuskript der Memoiren aber wurde gleich nach
dem Tode der Königin aus Befehl des Prinzen Louis vernichtet. Dasselbe wäre unzweifelhaft
auch das Los der Tagebücher gewesen, welche Fräulein Masuyer während ihres sechsjährigen
Aufenthalts am Hose der Königin niedergeschrieben hatte, wenn der Prinz eine Ahnung von ihrerExistenz gehabt hätte.
Zum Glück war das nicht der Fall. Fräulein Masuyer nahm sie mit, «ls sie Arenenberg verließ, um zu ihrer verheirateten Schwester Laura nach Paris überzusiedeln, und hat augen-scheinlich nichts mehr an ihren Aufzeichnungen geändert und ihnen so den Duft der Unmittel.barkeit bewahrt, der nun ihren Hauptvorzug bildet und sie zu einer Quelle ersten Ranges machtfür den, der sich ein objektives, wahrheitsgetreues Bild machen will über das Leben auf Arenen berg in den letzten Lebensjahren der unglücklichen Königin und über den Charakter des KaisersNapoleon III. , der damals noch das Exil der Mutter teilte.
Es versieht sich von selbst, daß die Auszeichnungen der Frl. Masuyer zu umsangreich sind,als daß an ihre unverkürzte Wiedergabe, die Bände füllen würde, im Rahmen unserer Zeitschriftzu denken wäre. Schon der Herausgeber, Hauptmann in französischen Diensten, der als eines derersten Opfer des zurzeit noch währenden Krieges gefallen ist, sah sich daraus beschränkt, aus derFülle des vorliegenden Stoffes zwei Partien, den Anfang und den Schluß desselben, zur Ver-öffentlichung herauszuheben. Dazwischen klafft eine Lücke von fünf Jahren.
Auch so noch nehmen diese Auszeichnungen viel mehr Raum in Anspruch, als uns zu Gebotesteht, und so mußten wir uns bescheiden, den Stoff zu sichten und beiseite zu lassen, was unsnicht unmittelbar interessiert. Ein erster Artikel wird das zusammenfassen, was uns Frl. Masuyerüber ihren Amtsantritt, ihre ersten Eindrücke auf Arenenberg und einer daran sich anschließendenReise nach Rom zu berichten weiß und daran anschließend einen kleinen Roman über ein Heirats-projekt zwischen dem Prinzen Ludwig und seinem Bäschen, der Prinzeß Mathilde bringen, derden Vorzug hat, historisch zu sein und uns über Personen und Charaktere besser orientiert, alses eine noch so eingehende Schilderung zu tun vermöchte.
Ein folgender Artikel wird uns über die Folgen des Straßburger Attentates und die letztenLebens- und Leidenstage der unglücklichen Königin bisher noch unbekannte Ausschlüsse geben.
I. Reise nach Rom (herbst (830).
Ein kurzer Brief meiner Schwester Fanny hat soeben über meinen Eintritt in denDienst der Königin Hortense entschieden. Mein Entschluß war bald gefaßt, und meineAbreise wird auch nicht mehr lange auf sich warten lassen!
Fanny ist Ehrendame bei der Fürstin v. Hohenzollern-Sigmaringen . Sie hat inErfahrung gebracht, daß die Königin soeben brieflich angefragt, ob man Fräulein Masuyernicht nach Jnzigkofen einladen könnte für die Zeit, da sie selbst dorthin komme. Von da werdeich sie nach Arenenberg begleiten, dann nach Italien , und während des ganzen Winterswerde ich die bisherige Ehrendame, die einen mehrmonatigen Urlaub genommen hat, ersetzen.
' ölnänins Ooobelet, Uöwoires sur In Reine Hortense et In Unwille Iwpörinle. 4 tomss.Lrux. et Reixr. 1837—1836.