Am Hofe^einer Exkönigin.
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Napoleon Charles, der eine Zeitlang designierter Thronfolger auf dem kaiserlichen Thronewar, 1817 an Krupp gestorben ist.
Nachdem er das gesagt, kehrt mein Vater zu seiner Chemie zurück und begibt sichin sein Laboratorium, nicht ohne mir vorher das Versprechen abgenommen zu haben,daß ich nie die Adelspartikel wieder annehme, die einst unserer Familie zugehörte, dannaber zur Zeit der Revolution von meinem Großvater freiwillig aufgegeben worden war.
Jnzigkofen, 29. September.
Jnzigkofen ist die Sommerresidenz des Fürsten v. Hohenzollern-Sigmaringen; dieDonau durchströmt den Park, dessen ländliche Lage die Fürstin selbst mit viel Geschmackzu nützen gewußt hat. Der schöne Ort war verlassen an dem Sonntag, als ich inBegleitung des alten Dieners meiner Eltern, Georg, anlangte. Nach den Gewohnheitendes Hofs, der sich jeden Sonntag beim regierenden Fürsten in Sigmaringen versammelt,war das Haus am Morgen von allen seinen Gästen verlassen worden. Nur Fanny warzurückgeblieben, um mich zu erwarten, und Herr v. Womar, der alte Kammerherr derFürstin. Herr v. Womar hat die liebenswürdigen Manieren und die Höflichkeit deralten Zeit. Ich bin ihm Dank schuldig für die Bereitwilligkeit, mit der er mir diefür mich neue, für ihn aber sehr alte Geschichte der freundschaftlichen Beziehungen zwischender Königin und der Fürstin erzählte.
Diese ist eine geborene Prinzeß Amalie v. Salm-Kyrburg; mit ihren beidenSchwestern, deren eine seither Herzogin äs 1a IrämsiUs, die andere Prinzeß v. Craygeworden ist, verlebte sie ihre Jugendzeit in Paris . Man verglich die drei Schwesternmit einem Rosenstrauß, deren Knospe — das Wort ist von Ludwig XVIII. — Amaliewar. Die Beauharnais unterhielten mit ihr und ihrem Bruder, dem Fürsten Friedrichv. Salm, enge Beziehungen, die unter der Revolution noch enger wurden. 1792 wurdenEugen und Hortense durch ihre Mutter Josephine dem Fürsten Friedrich anvertraut,der versuchte, mit ihnen nach England zu gehen. Das Unternehmen scheiterte aber andem Veto des Generals Beauharnais, der Hortense nach Paris zurückbringen ließ undEugen mit sich zur Rheinarmee nahm. Im folgenden Jahre kamen die Kinder nocheinmal in Croissy zusammen, wohin ihre Mutter geflohen war. Während der Schreckenszeitohne Stütze, fanden sie täglich ein Asyl bei der Fürstin, welche sie in das schöne HotelSalm rus Lsllsslmsss (jetzt Palast der Ehrenlegion) holen ließ; hier wurde sie vonPolizisten überwacht. Indessen bestiegen der Fürst Friedrich und der General Beauharnaisnach einander das Schaffst. Ohne die Protektion Talliens' hätte Josephine dasselbeSchicksal teilen können. Nach dem 9. Thermidor sofort in Freiheit gesetzt und imfolgenden Jahre Frau Bonaparte geworden, vergaß sie nie, daß die Prinzeß Amalie anihrer statt Mutterpflichten erfüllt hatte. Dieses treue Andenken, verbunden mit denBerechnungen der kaiserlichen Politik, bewirkte, daß 1808 der Erbprinz Karl Anton ^ vonHohenzollern-Sigmaringen sich mit der Nichte des Königs von Neapel , Antoinette Murat ,vermählte, und so in die Bahn des Kaisers einschwenkte zur Zeit, da er seinem Hauseverwandt wurde. Dieser Ehe sind zwei Kinder entsprossen,^ der Prinz Karl Anton , jetzt
> Mitglied des französischen Direktoriums.
^ Sohn der obgenannten Fürstin v. Hohenzollern .
° Nach dem Gothaer Kalender von 1837 waren vier Kinder: 1. Annunziata Karolinc, geb.6. Juni 1810; 2. Paul Anton, geb. 7. Sept. 1811; 3. Amalie Antoinette Karoline Adrienne , geb.
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