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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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F. Schaltegger.

19 Jahre alt, und die Prinzeß Karoline, die erst 17 Jahre alt ist. Trotz der großenVeränderungen des Jahres 1815 sind die Bande zwischen den Hohenzollern und denBonaparte so fest geblieben, daß heute ein Besuch der Prinzeß Karoline in Trieft beiihrer Tante, der Königin von Neapel , und ein Aufenthalt in dorten den Winter überin Frage kommen konnte. Morgen wird man die Königin Hortense darum bitten und,da sie nichts abschlagen kann, was andern angenehm sein kann, gilt für ausgemacht, daßdie Prinzeß Karoline mit uns reisen wird.

So lange ich mit Fanny allein war, brachten wir noch einige Toiletteangelegen-heiten in Ordnung und vervollständigten meine Garderobe auf Kosten der ihrigen. Da wirbeide von gleicher Statur sind, machte sich alles leicht; aber als ich die Unterredungda, wo Herr v. Womar sie unterbrochen hatte, wieder aufnehmen und von 1793 redenwollte, unterbrach sie mich plötzlich. Sie meint, die zweite Revolution/ deren Zeugenwir soeben gewesen, sei für uns sehr viel interessanter als die andere, da sie Ver-änderungen mit sich bringe, aus denen die Bonaparte jedenfalls bald Nutzen ziehen werden.

Zuerst hatte die Königin Hortense gehofft, mau werde das Verbannungsgesetz, dasauf ihr und ihren Kindern lastet, aufheben, ihr die Rückkehr nach Frankreich gestattenund dem Prinzen Louis ein Leutenantspatent verleihen. Aber diese Hoffnung erwiessich als eitel durch das Gesetz vom 2. September, das das ungerechte Verbannungs-urteil gegen sie erneuerte. Hinfort muß sie über den Punkt, an welchem die Juli-revolntion stehen geblieben ist, und über den König Philipp, dessen Macht morgen gestürztwerden kann, hinwegschreitend zur Quelle zurückgehen, die im Pflaster von Paris ent-sprungen, sich in Strömen über die andern Länder zu ergießen droht.

Ist das, was in Brüssel vorgeht, nicht gleichsam der Anfang von etwas derartigem?Heute morgen hörte man, die holländische Armee sei am 26. September in die Fluchtgeschlagen worden. Das ist ja eine neue Volkserhebung? Andere werden in andernHauptstädten folgen, und da alle von Paris , wo alle Fäden zusammenlaufen, ausgehen,können alle die Bonaparte aus Ziel ihrer Wünsche bringen.

Fanny gibt mir den Rat, auf alles, was in Italien vorgeht, Acht zu haben, undsagt, ich wäre sehr einfältig gewesen, wenn ich nicht hätte hingehen wollen. Nie sei dieZeit günstiger gewesen für Änderungen, vorteilhafter für Unternehmungen, und der Kaiser-kult sei in der Familie zu lebhaft, als daß man nicht etwas von seinem Ehrgeiz geerbthaben sollte.

In zig kosen, 30. September.

Ich muß mir vom Schlaf abbrechen, um die Erinnerung an einen für mich soentscheidungsvollen Tag festzuhalten.

Die Fürstin Amalie hat mich mit der gleichen Huld empfangen, welche sie mirbei ihren Besuchen in Straßburg bei ihrem Neffen, dem Fürstbischof v. Croy , erzeigthatte. Beim Frühstück um 9 Uhr hat sie mich selbst ihrer Tochter und ihren Gästen,den Fürsten von Hohenzollern-Hechingen , vorgestellt. Der regierende Fürst ist gleich

30. April 1815; 4. Friedcrike Wilhelminc, geb. 24. März 1820. Da die oben gesperrten Namendie Rufnamen sind, so kann hier nur die älteste 1610 geborene Tochter gemeint sein, die demnachdamals bereits das 20. Lebensjahr erfüllt hatte.

* Gemeint ist die Julirevolution, die Louis Philippe auf den Thron Frankreichs brachte.

' Dieselbe führte zur Lostrenuuug Belgiens von den Niederlanden.

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