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F. Schaltegger.
Anhänglichkeit an die Bonaparte einen neuen Grund, sich zu lieben. Ihre Heirat hatteden Austritt der Louise Cochelet von Arenenberg zur Folge. Aber weiter kam sie nichtals bis nach Wolfsberg . Von da ist Parquin stets zur Hand, wenn es gilt dem PrinzenLouis Geschichten zu erzählen, und ich zweifle nicht, daß er ihm sehr nützlich sein mußbei allem, was er vom Kaiserreich gesehen hat. Aber als ich sie beide nach dem Früh-stück weggehen sah und ihn unter den Bäumen rufen hörte, als ob er noch seineSchwadronen kommandierte, begriff ich, daß sein Einfluß auf seinen Schüler nicht dereines Mentors auf Telemach ist, und daß die Ratschläge, die er gibt, nicht die derWeisheit, Geduld und Mäßigung sein können.
Ich hätte die Unterredung mit Louise Cochelet gerne wieder aufgenommen und eineneue Lektion von ihr empfangen; aber die Pflichten meines Amtes hinderten mich daran.Die Schloßbesitzerin von Hard, einem benachbarten Landgute, ist gekommen, um derKönigin eine Abschiedsvisite zu machen; da wurde ich durch die Aufwartung und dieUnterhaltung mit ihr in Anspruch genommen.
Noch näher gelegen als Wolfsberg ist Hard, nur eine halbe Stunde entfernt inder Richtung nach Ermatingen . Vor zwei Jahren hat ein englischer General Lindsayes erworben. Nachdem er lange in Indien gedient, hatte er damals eben eine sehr hübscheKreolin geheiratet, welche Familienbeziehungen nach Frankreich zogen. Nach den Auf-klärungen, die mir Louise Cochelet mit leiser Stimme gab, konnte ich nicht zweifeln,daß der Begleiter der reizenden Frau Lindsay nicht ihr Gatte war; allein es scheint,daß in einer gewissen Gesellschaft die Gatten nicht da sind, wo ihre Frauen sind. DerKavalier der Frau Lindsay war eine Bekanntschaft aus Italien , Herr Drovetti , der fürsie diesen Sommer ein Schweizer Freund geworden war.
Herr Drovetti ist ein sehr vornehmer Herr. Er war Oberstlieutenant im ägyptischenFeldzug. Er zeichnete sich da an einem Schlachttag doppelterweise aus, indem erMurat das Leben rettete und dabei eine Wunde davontrug, von der er eine verstümmelteHand behielt. Seine übrigen Dienste waren diplomatischer Natur. Generalkonsul in Kairo bis vergangenes Jahr, legte er prachtvolle Sammlungen an, deren wertvollste jetzt imMuseum Karl X . ist, häufte Beobachtungen über alle Gegenstände orientalischer Altertums-kunde an und überdies gewann er bestimmenden Einfluß auf Mehemed-Ali. Ihm ver-dankt man den Kredit, den unsere militärischen Gesandtschaften in Ägypten gewonnen,und die Rolle, die sie bei der Reorganisation des ägyptischen Heeres gespielt haben.
Er hat seinen ganzen ägyptischen Haushalt und namentlich seine abessinischen Negerkommen lassen, riesenhafte und bis auf die Hautfarbe sehr schöne Menschen. Man ver-sichert, er habe soeben ein paar Schritte von der hübschen Frau Lindsay entfernt einenBauplatz gekauft, um sich anzusiedeln. „Ich weiß nicht, wie Herr Franz d'Houtetotdas aufnehmen wird", fügte Louise Cochelet ganz leise hinzu. Dieser Witz zeigte mir,daß die lose Zunge Louisens sich in üblen Nachreden gefällt; aber sie hätte mir nichtgesagt, was es mit Herrn d'Houtetot für eine Bewandtnis habe, wenn der Prinz undParquin, beide Zigarren rauchend, uns nicht rechtzeitig unterwegs eingeholt hätten. DerOberst d'Houtetot ist ein Vetter der Frau Lindsay und, wie sie, gebürtig von Isl« äsGraues, wo sein Vater Gouverneur war. Sein Militärdienst datiert vom Lager vonBoulogne und endigte zuerst in der Schlacht bei Trafalgar, wo er beinahe an einerschweren Verwundung gestorben wäre. Aber, kaum wieder hergestellt, trat er zur Land-armee über, wo der Marschall Davout ihn anzog. Sie waren 1815 in der Loirearmee