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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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Am Hofe einer Exkönigin.

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wieder bei einander. Damals erlitt das Schicksal des Herrn d'Houtetot, wie das sovieler anderer, eine lange Verfinsterung. Ludwig VIII . ließ ihn ohne Amt; dann nahmder Herzog von Orleans ihn in sein Haus auf. Dieser Fürst behält ihn jetzt, da erauf den Thron gelangt ist. Herr Parguin spielte darauf an, indem er sagte,, wir hättendie Tuilerien nur zwei Schritte von uns weg.

Will er damit sagen, es könnten Beziehungen sich anknüpfen zwischen dem Prinzenund der neuen französischen Regierung durch die Vermittlung unserer liebenswürdigenNachbarin, oder sie spioniere in Arenenberg und lasse Nachrichten von dort nach Paris gelangen? Ich weiß nicht; aber, wenn Louis Philippe gerne wissen möchte, was inArenenberg geschieht, so könnte auch Arenenberg leicht über die Maßregeln Louis Philippesunterrichtet werden.

Nach dem Essen plaudern die Königin und der Prinz leise mit einander, in derBibliothek, während sie Briefe und Zeitungen durchblättern. Es scheint, daß sie trotzder vorgerückten Jahreszeit sich nur zögernd und ungern zur Reise nach Italien entschließenkönnen. Um den Anstand zu wahren, mustere ich die Album, die aus dem Tische liegen.

Das eine enthält Interieurs, Landschaften, kleine Motive. Das andere enthält nur Bilder.

Das erstere ist in Garnerai's, das andere in Jsabey's Manier gehalten. Das sind diebeiden von der Königin bevorzugten Meister; sie schätzt an diesem das Talent der Porträt-ähnlichkeit, die Feinheit und Richtigkeit der Pinselführung. Herr v. Türpin, der langeihr Hofkavalier war, hat auch mit ihr gezeichnet, und bis in die jüngste Zeit hat sie stetseinen Maler an ihr Haus gefesselt.

Sie nähert sich mir liebenswürdig und nennt mir die Personen, während ich dieSeiten wende. Das da ist ihre Nichte Josephine, älteste Tochter des Prinzen Eugen undGemahlin des Königs Oskar von Schweden, ältesten Sohns von Bernadotte . Das istFräulein de Courtin, die Schöne mit goldenem Haar. Die Königin erklärt mir, Elise ^de Courtin sei in der Anstalt Ecouen, deren Leitung der Kaiser Frau Campan übertragenhatte, erzogen worden und mehrere Jahre bei ihr auf Arenenberg gewesen. CasimirDelavigne , unser großer Dichter, sah und liebte sie und es gelang ihm, sie auch zuheiraten nach Überwindung mancher Hindernisse, wie sie sich bei Verheiratung von Mädchenohne Mitgift immer einzustellen pflegen. Wäre das nicht gewesen, so hätte „die Schöne"den Dienst der Königin nicht verlassen und ich wäre nicht auf Arenenberg .

Feldkirch , Samstag den 16. Oktober 1830, 9 Uhr abends.

Man weckte mich heute morgen um 6 Uhr, und um 8 Uhr reisten wir ab. FrauCailleau kam, um von meinen Toilettegegenständen zu holen und einzupacken, was indie Wagenkoffer getan werden mußte für die Haltestationen unterwegs; das übrige kommtin den Packwagen und wird mit den Dienstboten und Pferden in kleinen Tagereisen nachRom gelangen. Die Königin nimmt nur Frau Cailleau mit; in Rom wartet FrauLacroix auf sie, ihre Kammerfrau in glücklicheren Tagen, welche ihr in die Verbannungfolgte und deren Aufgabe ist, das Haus in Rom zu hüten mit allen Kunstgegenständen,die es füllen. Diese Anordnung ist für Frau Lacroix und ihre beiden Kinder sehr bequem,'da deren Erziehung, die in Augsburg den Anfang genommen, in der Schweiz nicht hättevollendet werden können.

Beim Einsteigen gab mir die Königin, die immer für das Wohl aller besorgt ist,einen Pelzkragen und einen Fußsack. Nun ging's aus Abschiednehmen mit Tränen: