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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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F. Schaltegger.

angebaut, und gut verwaltet. Der Großherzog und seine Familie sind beliebt; hier könntensicherlich Unruhen nicht entstehen. Kurz, ich möchte Bürgerin von Florenz sein, wennich eines Tages in Italien leben müßte. Aber ich hätte Mühe, mich mit dem hiesigenTheaterbesuch zu besreunden. Man geht hier bloß ein und aus, um sich einen Augenblickzu zeigen und gleich nachher wieder zu verschwinden. Man kommt zum Schluß desersten Akts und geht wieder vor dem Schluß des zweiten Aufzugs. Man hört von derMusik gerade die hervorragendsten Partien nicht, nämlich die Ouvertüre, den Eingangund das Finale. So haben wir gestern den „Pirat" gehört. Das Libretto ist einemShakespeareschen Drama entnommen, die Musik von Bellini . Dieser Komponist wandeltin den Spuren Rossinis, den er beinahe erreicht durch die Sorgfalt, mit der er dasEnsemble des Orchesters behandelt; aber seine Art ist pathetischer. Mich wundert,daß er in Frankreich noch nie gespielt worden ist. Die Sänger singen ihre Koloraturenmit voller Stimme; die Wirkung wird verstärkt durch die Fülle der Töne, die zuweilenvielleicht etwas forciert herauskommen; aber der erzielte Eindruck ist immer groß. DieZeit ist vorbei, da man in der Schule der Catalini und Sonntag die Stimme übenlernte. Rubini, so vollendet er singt, ließ in Paris kalt, so lange als er nichtswar als Nachtigall. Seither hat er sich sehr auf dramatische Kunst verlegt, und seinprachtvolles Organ eignet sich vortrefflich dazu; aber die Grisi übertrifft hierin alle.

Herr Boulanger, Lord Normanby, ein kleiner Herr Bartholomö kamen in dieLoge. Der Prinz Napoleon und die Prinzessin Charlotte machten sich ein Vergnügendaraus, letztem glauben zu machen, daß er im Roman einer ihnen bekannten Dameeine Rolle spiele, und lachten nicht wenig über die Wirkung, die das auf den jungenGecken machte.

14. November.

Der Prinz Napoleon wohnt im Palast seines Vaters. Das Erdgeschoß gehörtihm und steht durch eine Treppe in Verbindung mit den Gemächern der PrinzessinCharlotte im Entresol. Das alles ist vortrefflich eingerichtet: das Schlafzimmer ist einhübsches Nestchen; das gemeinsame Bett, mit weißer Mousseline bezogen und mit himmel-blauem Taffet gefüttert, ist ein wahres Schmuckkästchen. Ein Etruskergrab füllt die Mitteder Bibliothek und gibt ihr das Aussehen eines Museums. Die Ordensinsignien, dieder Prinz zu tragen berechtigt wäre, da die Fürsten Europas sie ihm bei seiner Geburtverliehen haben, füllen einen Glaskasten. Ein anderer enthält einige Andenken an denKaiser. So die silberne Lampe, die ihm auf St. Helena nachts diente und Zeuge warseiner Leiden und schlaflosen Nächte. Madame Möre hat sie ihrem Enkel zum Geschenkgemacht nebst einem Brief ihres unsterblichen Sohnes. Ein Adler, Bruchstück des kaiser-lichen Tafelgeschirrs, erinnert an das Elend, das der berühmte Gefangene in Longwooderduldet hat. Hudson Löwe versagte ihm das Notwendige. Die Nahrung, der Wein,selbst das Wasser war so knapp bemessen, daß der Kaiser sein Silberzeug verkaufenmußte, um seiner Dienerschaft das Leben zu fristen. Hudson Löwe behielt mehr alseinmal die Summen zurück, die sein Gefangener auf solche Weise sich verschafft hatte,unter dem Vorwand, sie könnten Fluchtversuchen dienen. Der Kaiser ließ aber zuvordie Adler wegnehmen, die er für seine Familienglieder bestimmte. Der Prinz Napoleon hat den seinigen am Griff eines Dolches anbringen lassen. Der Prinz Louis bewahrtsorgfältig einen andern, als einen Talisman, der, wie er sagt, ihm Glück bringen wird.