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F. Schaltcgger.
21. November 1830.
Die Prinzeß Zenaide, Frau von Prinz Charles Lucien de Musignano und Schwesterder Prinzeß Charlotte, ist diesen Morgen gekommen. Sie hat 1822 ihren Vetter geheiratet,der damals 19 Jahre zählte, d. h. 2 Jahre jünger war als sie. Sie hat drei Kindervon ihm. Das älteste, Joseph, ist erst sechs Jahr alt, der Liebling seiner Tante Charlotte.Seine kümmerliche Gestalt ist peinlich anzuschauen. Die beiden andern, Lucien zweijährigund die halbjährige Julie, sind auch sehr klein.
Der König Järöine ist gekommen und zum Frühstück geblieben; erst heute wurde ichseiner ganzen Familie vorgestellt nach der Messe, der wir in seinem Hanse beigewohnt hatten.
Der noch junge König — er war der jüngste der Brüder — gleicht dem Kaiser,aber mit einem Nußknackerprofil, das ihm etwas Grimassenhaftes verleiht. Er hat auchbei weitem nicht eine innere Ähnlichkeit mit seinem ältern Bruder. Napoleon , der seinenLeichtsinn und seine Neigung zu Abenteuern kannte, wollte einen Marineoffizier aus ihmmachen. Er tat ihn in die Lehre znm Admiral Gantheaume, dessen Talente er währendseiner Überfahrt nach Ägypten schätzen gelernt hatte, und schickte ihn mit dem GeneralLeclerc , dem Gatten Paulinens und ihr beider Schwager, nach Saut Domingo; esgelang ihm aber nicht, ihm Sinn für Disziplin beizubringen. Im Jahr 1803 bei einerKreuzerfahrt nach den Antillen nahm er eine Bemerkung von Villaret Joyeuse böse auf,ließ das Kommando seiner Brigg im Stich und ging nach Amerika . Zu diesem dummenStreich kam in Baltimore hinzu die Heirat mit Fräulein Elisabeth Patterson , die 1805nichtig erklärt wurde, weil vor seiner Großjährigkeit geschlossen und ohne Einwilligungder Madame Msre. In die Marine zurückversetzt, nahm Jsrüme teil an der Expeditionvon 1805 nach Martinique. Nachdem dies Jahr für die französische Flotte verhängnisvollgeworden war, trat er zur Landarmee über und machte als General die Feldzüge von1806 und 1807 mit. Dann ging das unerschütterliche Wohlwollen Napoleons so weit,daß er das Königreich Westfalen expreß für diesen Benjamin der Familie schuf; aberauch diesmal machte er die Rechnung ohne den Wirt, da die Regierung Jörümes nichts warals eine Kette von politischen Inkonsequenzen, verliebten Launen und verschwenderischen Gelagen.
Anno 1812, wo er den rechten Flügel der Armee kommandierte, brachten seinemilitärischen Fehler die erste Schwenkung, die der Kaiser ausgebucht hatte und durchwelche der Feldzug mit einem Schlag hätte beendet werden können, zum Scheitern.
Als Gemahl machte er noch größere Torheiten denn als General, doch ohne dieNachsicht seiner Gemahlin, der Königin, die mit dem Kaiser einverstanden war, alles zuverzeihen, erschöpfen zu können.
Das hübsche -Gesicht dieser Fürstin atmet Intelligenz und Güte. Sie hat michauf die liebenswürdigste Weise aufgenommen; aber sie ist von außergewöhnlichem Leibes-umfang, was auch nicht dazu angetan war, ihren flüchtigen Gatten an sich zu fesseln.Politische Gründe hatten ihre Vermählung zustande gebracht, kurz nach dem Friedenvon Tilsit, der in Deutschland den neuen Thron von Westfalen errichtete. Der Kaiserfühlte sich geschmeichelt durch diese erste Verbindung seiner Familie mit einer königlichen.Der König Friedrich von Württemberg seinerseits hatte diese Versorgung für seine Tochtergewünscht in der Hoffnung, eine engere Verbindung mit dem kaiserlichen Hause könneihm zu Gebietserweiterung verhelfen. Als diese Gründe 1814 gegenstandslos gewordenwaren, verlangte er von der Königin, sie solle sich von ihrem Gatten trennen. In edlerWeise antwortete sie, sie bleibe Gattin und Mutter und sei bereit, alle Entbehrungen