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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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Am Hofe einer Exkönigin.

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der Armut und Verbannung mit ihm zu tragen. Sie ahnte noch nicht, daß sie nochobendrein allerlei Schikanen zu ertragen haben werde, die bezweckten, mit Gewalt zuerreichen, wozu man sie durch Überredung nicht hatte bewegen können. Sie wurde inden Schlössern Göppingen und Ellwangen zurückgehalten; man nahm ihr die Diamantenund das Silbergeschirr weg und versteigerte oder zerbrach es. Und was ihr den größtenSchmerz bereitete, man versuchte sie von ihrem Kinde zu trennen.

Nach der Abdankung von Fontainebleau ging Järüme nach der Schweiz . Siewollte ihm dahin folgen, als sie durch den ehemaligen Stallmeister ihres Hofes in Cassel,den Marquis de Mandreuil, bei Montereau angehalten und ausgeplündert wurde. Dieseaußergewöhnliche und dunkle Geschichte hat seither Ströme von Tinte gekostet. Von derSchweiz begab sich die Königin nach Trieft, wo sie mit J6rüme, ihrem Erstgebornen,niederkam. Die 100 Tage führten den König noch einmal an die Spitze eines Armee-korps und gaben ihm Gelegenheit, bei Waterloo durch ein lobenswertes Betragen zubeweisen, daß er Napoleon aufrichtig zugetan sei.

Dann kam die Rückkehr nach Württemberg und die Verfolgungen in der Familie,welche die Königin so tapfer erduldete. Auf die Eingebung des Königs von Württem-berg und zur Erlangung ihrer Freiheit nahm sie den Titel einer Fürstin von Montsortan und bewog den König Jsrüme seinen Namen zu ändern.

Die beiden Gatten führten nun mehrere Jahre ein Wanderleben in Graz , Erlau,Schönau, dann wiederum in Trieft. Es war nicht die Schuld der Königin, daß diesesWanderleben in der Fremde nicht noch weiter führte; denn bei den ersten schlimmenNachrichten, die aus St. Helena kamen, schrieb sie an den Prinzregenten von England und batihn um die Erlaubnis, nach dieser Insel gehen zu dürfen, um sich dort dem Kaiser zu widmen.

Sie brachte Mathilde 1820 zur Welt und Napoleon anno 1822. Im folgendenJahre kam die ganze Familie nach Rom , wo Madame Mtzre sie zu sehen wünschte. Diehiezu nötige Ermächtigung wurde nach dem Kongreß von Verona gewährt; der KaiserAlexander hatte sie für die Königin, deren Vetter ^ er war, gefordert.

Diese Einzelheiten sind mir von der Königin selbst erzählt worden bei der Rückkehrvon unserm Besuch bei ihrem Gemahl. Um frische Luft zu schöpfen, wollte sie aufdem Pincio ein wenig spazieren. Von da gingen wir zur Villa Borghese , die einst demKönig Ludwig und jetzt der Madame Msre gehört. Grüne Bergketten, Springbrunnen,Ruinen, Durchblicke, alle Reize der Kunst und Natur, alles durch die schöne SonneItaliens inS rechte Licht gerückt, machen sie zu einem zauberhaften Aufenthalt. AberMadame Märe will daselbst nicht mehr erscheinen und überläßt sie endgültig ihren Kindern.

Morgen werden gerade neun Monate sein, daß sie sich hier durch einen Fall dasHüftgelenk gebrochen hat. Wegen ihrer 84 Jahre haben die Ärzte nicht versucht, denBruch wieder einzurichten. Man wandte bei ihr die Methode Dnpuytren an, indem mansie bald im Bett, bald auf einer Chaiselongue das gebrochene Bein auf einem Kissenruhend bettet. Wenn sie ausgehen will, trägt man sie auf einem Lehnstuhl die Treppehinunter und von da auf einer Sänfte mit elastischen Tragebalken; ihr Wagen fährt imSchritt. So hat sie die Genugtuung, daß sie unterwegs die Leute auf der Straße kannsagen hören: „Die Mutter Napoleons !" Aber diese Spazierfahrten werden immer seltener.Ihre Traurigkeit und ihre Vereinsamung bringen Verlegenheit; sie weigert sich, Fremde

' Die zweite Gemahlin König Wilhelms I. von Württemberg, Katharina Paillowna, war seineSchwester, also Schwägerin der obgenannten Königin Katharina.