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F. Schaltegger.
zu empfangen, und beschränkt ihre Zerstreuungen auf die Besuche ihrer Kinder und einigerreisenden Franzosen, die noch daran denken, sie aufzusuchen. Man muß ihr alles vor-lesen, was über den Kaiser gedruckt wird; in diesem Punkt ist sie unersättlich, und dadie Königin hiefür nicht genügt, zählt sie auf mich, um sie in diesem Amt abzulösen.
Mir scheint, ich müßte vor Furcht vergehen beim Anblick dieser alten Frau, dieden Napoleon als Kind in ihren Armen gehabt, ihn schwach und klein gesehen, und diesekolossale Macht erzeugt hat und sie nun überlebt!
25. November.
Die Folgen einer Unvorsichtigkeit, die die Königin gestern beging, indem sie mirRom selbst zeigen wollte, und dabei sich den ganzen Tag einer scharfen Tramontanaaussetzte, machten sich bald fühlbar. Sie fühlte sich diesen Morgen so übel, daß derArzt sie für den ganzen Tag ins Bett schickte. Hortense Lacroix und ich haben einanderabgelöst an ihrem Bett.
Hortense arbeitet unter dem Diktat der Königin an diesem Werk, welches dieMorgenstunden der Königin ausfüllt. Sie ist geistreich und sehr unterrichtet; es istleicht zu bemerken, daß sie mich nicht mit günstigen Augen ansieht. Der Grund davonist einfach: Frau Lacroix, die vor Eitelkeit und Anmaßung fast erstickt, sähe gerne, daßdie Königin ihre Tochter als Ehrendame annähme, was aber nicht angeht, da die MutterKammerfrau ist. Es gibt nun einmal, man mag wollen oder nicht, gewisse Schicklichkeits-grenzen, die noch lange die verschiedenen Klassen der Gesellschaft von einander scheidenwerden. Das können aber die Lacroix nicht verstehen, und sie werden nicht nur den Bor-zug, den man mir gegeben hat, unzulässig finden, sondern, wenn ich dem Prinzenglauben soll, der bis zu Tränen lacht über den drolligen Einfall, Frau Lacroix gehtsogar so weit, zu glauben, der Prinz sei verliebt in ihre Tochter, die häßlich, klein undverwachsen ist.
Mein Dienst besteht darin, Briefe zu schreiben, deren Inhalt und Gegenstand mirdie Königin angibt, die ich dann abzufassen habe, so, daß sie dieselben nur zu unter-schreiben braucht. Die heutigen waren schwierig zu entwerfen; ich mußte sie noch einmalmachen; die Königin hat sich die Schuld selbst beigemessen und hat mir reichere Aufschlüsseüber den Gegenstand gegeben. Es handelt sich um Ansprüche auf Summen, welche derfranzösische Schatz ihr schuldet. Diese Schuld datiert von 1814 und hat als Grundlagedie Schenkung der Herrschaft St. Leu, die man ihr als Leibgediug verschrieben hat aufVerwendung des Kaisers Alexander. Die Schenkungsurkunde wurde ihr in Malmaisonüberreicht, am Tag nach dem Tode der Kaiserin Josephine , und Alexander hat sie ihrselbst gebracht. Ihr waren der Titel Herzogin und eine jährliche Pension von 40 000 Livresgewährt worden. Dieser Vergleich schien noch nur vorübergehend; denn andere alteRückstände blieb man ihr schuldig; auch konnte sie Kompensationen beanspruchen fürWaldungen, die der Kaiser für sie der Domäne St. Leu beigefügt hatte, aber Ludwig XVIII. wieder nahm. Aber alle diese Forderungen mit einander hatten wenig Gewicht in denAugen der Restaurationsregierung. Die Schenkungsurkunden waren nirgends registriert.Sie waren augenscheinlich nur Kanzleistücke, die man der Form wegen dem KaiserAlexander aushändigte, und die zum voraus von feiten derer, die sie unterzeichneten,mit Protest belegt wurden. Nach den hundert Tagen war es leicht, sie darum zu betrügen.Pozzo di Borgo, der russische Gesandte in Paris , kühlte damit der Königin gegenüber