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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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F. Schaltegger.

Unterdessen hörte man von dem Handstreich, den ein Paul Didier am 5. Maiim Namen Napoleons II. gegen Grenoble unternahm, und von der blutigen Unterdrückungdieser Revolte durch den General Donnadieu. Die Zeitungen hatten der Königin nichtschuld daran gegeben, und sie war's auch nicht; denn sie war dem Unternehmen völligfremd geblieben. Wie groß war daher ihre Überraschung, als sie von dem gleichen Grafende Libri durch den Beauftragten in Basel einen Brief erhielt, der von Mouton Duvernetgar nichts, umsomehr aber von den Ereignissen von Grenoble berichtete und die kleinstenEinzelheiten enthielt. Die Wirkung diese« Briefes, der sich als die Fortsetzung ähnlicher,welche vorausgegangen, gab, mußte die Königin bloßstellen, da er den Anschein erweckte,als ob sie an einer Intrigue sich beteiligt hätte, an der sie gar keinen Anteil ge-nommen hatte.

Sie gab dem Beauftragten den Befehl, künftig keine Briefe von dieser Persönlichkeitmehr anzunehmen. Der Bankier antwortete mit dem Geständnis, daß man mit ihmein Spiel getrieben habe, und präsentierte eine Rechnung von 10 000 Fr. Mit Berufungauf das Siegel der Königin und auf den Inhalt des zweiten Briefes hatte der schlaueItaliener als geheimer, politischer Agent sich nach Basel gewandt, und es war ihm ge-lungen, diese neue Summe ausbezahlt zu erhalten. Die Königin und Prinz Eugen zahlten jedes die Hälfte dieser Summe. Indessen war Mouton Duvernet, den derLyoner Kriegsrat zum Tode verurteilt hatte, erschossen worden. Damen der Stadttanzten an dem Ort der Hinrichtung, und Royalisten feierten die Hinrichtung durch einMahl, wobei eine Schafsleber serviert wurde, welche die Gäste mit ihren Messerndurchstachen.

26 . November.

Diesen Morgen allein mit der Königin, hatte ich die Unklugheit, Herzensangelegenheitenzur Sprache zu bringen! Das rief in ihr alten Kummer wach; sie hat sehr heftig geweint,und ich konnte sie nicht mehr trösten. „Das Glück", sagte sie, „ist nicht von dieser Welt,und diejenigen, die es hier suchen, werden es nicht finden; man muß sich selbst verleugnenund, wenn man's kann, auch die andern und in den Tag hineinleben und nichts denken". . .

Ich wußte nicht, wie ich die Unterhaltung auf andere Gegenstände lenken könnte,als Malvina sehr gelegen kam mit einem Roman, den die Königin vorn König Jörömeverlangt hatte; es fand sich, daß er den Lord Normanby zum Berfasser hatte, und wirbegannen mit Interesse darin zu lesen. Der Besuch von Fräulein Feray hat uns baldunterbrochen. Die Königin schickte mich, sie zu empfangen und empfahl mir, unser Musik-stück auf morgen abend ja gut einzustudieren; aber im gleichen Augenblick betraten Jörome,die Königin Katharina und Herr Bacciochi den Palast. Man mußte sie empfangen, mitihnen plaudern und ihnen die Zeit vertreiben. Schließlich haben wir uns auf ein Zeichenvon Fräulein Feray entschlossen, uns ans Klavier zu setzen. Die Wirkung unserer Musikwar wunderbar. Die Männer griffen gleich nach ihrem Hut und gingen weg. Die.Königin Katharina ging zur Königin hinein, bei welcher Hortense Lacroix in ihrer be-ständigen Sucht, mich zu ersetzen, meinen Stuhl nicht lange leer gelassen hatte.

Wir konnten dieses Duett aus der Semiramis nur einmal durchnehmen, alsHerr Feray kam, um seine Nichte abzuholen, und Frau Bescovali anlangte. Sie gabvor, von der Königin zugelassen zu sein; aber ich zog vor, sie in mein Gemach zu führen,da ich ihr natürlich nicht gestatten konnte, den Besuch der Königin Katharina zu stören.