Am Hofe einer Exkönigin.
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Ich kannte die Geschichte dieser Frau schon. Sie war ein Fräulein Piot, die zugleicher Zeit wie Fräulein de Courtin^ bei der Königin war. Sie hat sich dann ineinen jungen Menschen verliebt und opferte ihm mehr als ihr Leben. Schwanger undverabschiedet ließ sie sich in Mailand häuslich nieder und gab Harfenstunden, um ihrKind zu erhalten. Ihr tapferer Mut hat ihr die Achtung der ehrenwerten Leute wiedergewonnen. Herr Vescovali als ritterlicher Mann hat sie trotz allen Hindernissen geheiratet.
Sie erzählt mir von ihrem Dienst bei der Königin und verbreitet sich gerne überdie Vergangenheit, die für sie zweifellos besser war als die Gegenwart. Als ich sie soim Zug sah, bat ich sie, mir zu erklären, auS welchen Gründen die Königin weine,wenn die Unterredung zufällig auf Herzensangelegenheiten verfalle. Sie zögerte nicht,mir im Vertrauen mitzuteilen, was ihre Vorgängerinnen von Mund zu Mund einanderberichtet hatten und was die Ehrendamen allein unter dem Siegel strengster Verschwiegen-heit erfahren hatten und dann den Vorleserinnen und andern zum Hause gehörendenPersonen unbesonnen anvertraut hatten.
Eine heftige Liebesleidenschaft hat das Leben der Königin erfüllt. Dieselbe, langeZeit behindert, zu spät befriedigt, führte zu kurzdauernden Freuden, denen endlose Reuefolgte. Gegenstand dieser Liebe war der Graf Flahaut.
Er ist wenigstens dem Namen nach der Sohn eines Brigadegenerals, der 1793auf dem Schaffst starb und einer nichts weniger als unbescholtenen Frau, welcher aberdie Gefahren ihres Lebens, verbunden mit Vorzügen des Geistes, Verzeihung für alleserwirkt haben. Nicht nur trugen ihre Romane hinreichenden Lohn, sie wußte es aucheinzurichten, daß ein Baron von Souza, portugiesischer Gesandter in Paris unter demKonsulat, sie heiratete. Sie lebt noch und steht immer noch in Korrespondenz mitder Königin.
Karl v. Flahaut hatte sich 1800 bei den freiwilligen Husaren einreihen lassenund den Feldzug nach Marengo im Gefolge des ersten Konsuls mitgemacht. Er warim Jahr 1804 der anmutigste und vollkommenste Kavalier, guter Musikkenner, Tänzer,von reizender Haltung, von köstlichem Stimmklang, kurz, der Mann, der nach Alter,Beschaffenheit und Benehmen eigens geschaffen schien, der Königin zu gefallen. IhrZartgefühl machte sie empfindlich für den rauhen Ton der neuen Gesellschaft im allgemeinen,und der Bonaparte im besondern. Sie schätzte hingegen die höflichen Formen, welchedie Royalisten aus der Verbannung zurückgebracht hatten und allmählich in die vornehmenSalons einführten.
Die Ereignisse des Jahres 1805 riefen indessen die Militärpersonen wieder insFeld. Karl von Flahaut war Adjutant Murats, für einen einfachen Leutnant eineglänzende Stellung, die ihn aber immer unter die Avantgarden, d. h. so weit als möglichvon der Königin wegrief.
Er war 1806 und 1807 in Polen , beteiligte sich an den Schlachten von Eylauund Friedland, und kam erst nach dem Tilsiter Frieden nach Paris zurück. Unterdessenhatte der Aufenthalt in Holland die Königin ihrem tyrannischen Gatten auf Gnade undUngnade überliefert und das häusliche Leben für immer zerstört.
Der Tod ihres Erstgebornen hätte sie ihrem Gatten wieder nähern müssen; erentfremdete aber im Gegenteil die beiden einander, da der Schmerz des Königs die Formvon Eifersuchtsanfällen angenommen hatte und in beleidigenden Fragen sich äußerte, in
' Über diese siehe Seite 13.