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F, Schaltegger.
Rebellen unter Auswand beträchtlicher Mittel mit Geld verjehen, und beschließt, sich nach Paris in die Höhle des Löwen zu wagen, um vom König Louis Philippe und seiner Regierung Sub-sistenzmittel oder Amnestie und Erlaubnis zum Auscnthalt in Frankreich zu erlangen, und kehrtnach unverrichteter Sache und einem längeren Aufenthalt in England im Herbst 1831 nachArcnenberg zurück.
Der nun folgende Abschnitt versetzt uns wieder nach Arenenberg , in das Leben und Treibendaselbst vom April bis Oktober 1836 anläßlich eines Besuches, den König Jörüme, dessenGemahlin im Jahre zuvor gestorben war, der Königin machte in der Absicht, sich ein Schloß inder Umgebung zu bleibendem Ausenthalt zu kaufen, ohne indessen ans Ziel zu gelangen.
». Die Prinzessin Mathilde und der Prinz Louis Napoleon. '
April Mb bis Mai 1837.
Arenenberg , Ostermontag, 4. April 1836.
Donnerstag den 31. März nach dem Essen sahen wir den König Jörüme mitseinem Sekretär, Herrn Bohl, anlangen. Ein Brief Eugen Meyers hatte mir seine Abreisevon Florenz am 24. gemeldet, und wir erwarteten ihn nicht so bald. Dieser arme Königist in fieberhafter Aufregung, die ihn nirgends wohl sein läßt. Er sagte uns, er gehenicht nach Stuttgart , um seine Tochter zu holen; er werde aber seinen Sohn Napoleon hinschicken. Der Prinz ist denn auch Freitag abend den 1. April mit Herrn Bohl verreist.Dieser soll eine Staffette schicken, ob die Prinzessin etwa Lust habe, in Tuttlingen zuübernachten, weil sie dann am Donnerstag statt zum Frühstück zum Mittagessen anlangenwürden. Jsröme kann sich nie in seine Lage schicken; er muß immer den König spielenund Verlegenheiten bereiten. Im übrigen ist er ein leidlich guter Mensch und trägt seinUnglück mit philosophischer Ruhe. Sein Ruf könnte besser sein. Am 1. April warenwir den ganzen Tag auf unserer Hut aus Furcht, Napoleon möchte uns in den Aprilschicken. Der kleine Prinz Salm" ist hier für die Zeit seiner Ferien.
Montag, II. April.
Donnerstag morgen um 8 Uhr meldete man mir die Ankunft der Reisenden. Ichtraf sie, als sie eben bei der Königin eintraten. Ich hatte die Prinzeß bei ihr erwartet,und unterhielt mich mit Frau von Reding," die das Lob ihrer Prinzeß sang. Nach demFrühstück gingen wir alle nach Eugensberg,^ das dem König sehr gefallen hat. Er äußertedie Absicht, es zu kaufen. Aber die Kinder haben ihn bald davon abgebracht; sie liebenweder das Land noch die schöne Natur noch das Malerische, und haben die ganze Zeitalles abschätzig beurteilt, was man ihnen zeigte. Mein Prinz ° sah ernst, etwas gelang-
i s. Revue ckes äeux woväes vom 15. November 1915.
^ Der Erbprinz Friedrich Ernst Joseph Augnst, einziger Sohn des Fürsten Friedrich IV. vonSalm-Kyrburg , Bruders der inzwischen verwitweten Fürstin Amalie von Hohenzollern-Sigmaringen,geb. 5. November 1823, stand somit in seinem 13. Lebensjahr.
° Frau v. Reding von Frauenfeld , die Gouvernante der Prinzeß Mathilde.
' Eugensberg, die Besitzung des verstorbenen Bruders der Hortense, Prinzen Eugens, war imJahr 1834 von seiner Tochter, der Prinzeß Eugenie von Hohenzollern-Hechingen, an einen HerrnKisow aus Augsburg verkauft worden, das er bis 1857 besaß. Eugensbcrg ist kaum eine halbe Stundevon Arenenberg über Gallenstein gelegen.
° Gemeint ist Prinz Louis, der spätere Kaiser.