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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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Am Hofe einer Exkönigin.

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weilt und wenig verbindlich aus. Die Königin kam mit den Wagen, um uns nachArenenberg zurückzuführen.

Die Prinzeß Mathilde ^ ist ein liebliches Geschöpf. Als ich zum Essen kam, sahich eben, wie ihr Vater sie schalt, weil ihr Kleid zu tief ausgeschnitten war. Er hatterecht; sie war zu sehr entblößt. Aber, was sie sehen ließ, war so schön, daß es einVergnügen war zu schauen. Der Prinz war davon ganz benommen und verschlang siemit den Augen. Das Fleisch ist schwach bei ihm. Am Morgen war er ernst, kalt,wenig verbindlich; aber am Abend beleben ihn die schönen Schultern, und dann ist er dieZuvorkommenheit selbst. Aber Elise ^ findet, daß er zu Fräulein Louise " noch ganzanders sich hingezogen fühlte. . .

Mittwoch, 13. April.

Am Freitag waren wir in Konstanz . Unser Prinz, der sich die Schenkel verletzthatte, da er sein Pferd einen Graben nehmen ließ, war bei der Mutter im Wagen.Die Königin sagte, wie mir Elise erzählte, zu ihm:Der König von Württemberg hatMathilde beauftragt, dir sehr verbindliche, huldvolle Dinge zu sagen, Louis, u. a., daß

er sich ein Vergnügen draus machen werde, dich in Friedrichshafen zu empfangen." Hat

der Onkel König am Ende auch Heiratspläne? Die Prinzen Louis und Jsrüme* sindnicht mit den andern zurückgekommen, sondern in Konstanz geblieben, um ins Theaterzu gehen. Sie haben sich dort sehr gut unterhalten; der letztere hat alle Frauen hübschgefunden; sie haben Amalie und Henriette" nach Hause begleitet.

Die Königin hatte mich am Morgen kommen lassen, um an Baulte zu schreibenund ihm ihr Diadem aus Türkisen zu schicken. Sie trachtet nur darnach, ihre Einkünftezu mehren und sich ohne Frankreichs Hülfe zu behelfen." Frau v. Holzing erwartetnichts von dort und schreibt, die Verzögerung in der Petitionsangelegenheit habe keinenandern Zweck als Zeit zu gewinnen, um die Stimmen zu kaufen. Wir haben vonder Prinzeß Mathilde gesprochen. Sie findet Wohlgefallen an ihr und ist der Ansichtwie ich, daß sie die einzige Frau ist, die für ihren Sohn paßt. Sie ist auch meiner

Meinung, daß, wenn etwas draus werden soll, es noch Heuer ins reine kommen müsse,

weil, wenn die Prinzeß noch zwei Jahre länger in Florenz weile, sie sich nicht mehran das friedliche Leben in Arenenberg gewöhnen könne. Im übrigen macht ihr der Vater,so sehr er sie verzieht, das Leben so sauer, daß sie sich nur glücklich schätzen könnte, ausseiner Vormundschaft loszukommen. Diesen ganzen Nachmittag hat er sie eingeschlossen,um zu arbeiten. Abends habe ich, um sie zu unterhalten, ein Spielchen eingerichtet.Mein Prinz hat sich willig dazu finden lassen; den Prinzen Jörüme mußte man schonbei den Ohren herbeiziehen und wir haben viel Lärm gemacht; Herr Conneau? hat denZwerg gespielt; wir haben getanzt, und beim Weggehen bat mich die Prinzeß, vor dem

> Prinzeß Mathilde war damals 16 Jahre alt. Ihre Mutter war den 28. November 1635 gestorben.

" Elise, Frl. v. Perrigny, eine Verwandte der Königin, die sich auch in Arenenberg aufhielt.

»Louise, Adoptivtochter des französischen Generals de Crenay, der in Mannenbach ein Schloßbaute und es ihr zu Ehren Luisenberg nannte. Sie heiratete später de» Grafen de Sparre.

i JtzrSme, der älteste Bruder der Prinzeß Mathilde, 21 jährig, war mit dieser von Stuttgart gekommen, ivo er als angehender Husarenoffizier diente. Er starb jung.

° Henriette und Amalie Macaire, junge Damen der Konstanzer Gesellschaft.

° Die auf Seite 54 erwähnten Reklamationen waren erfolglos geblieben.

' Conneau, Leibarzt der Königin und Gesellschafter des Prinzen auf Arenenberg .