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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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F. Schaltegger.

Frühstück zu ihr zu kommen, um vierhändig mit ihr zu musizieren. Deshalb begab ichmich gestern, sobald ich mich angekleidet hatte, in den Saal hinunter, wo sie sich baldmit Frau v. Reding einfand.

Nach dem Frühstück spielte sie mit ihrem Vetter, dann zeichnete sie. Um 4 Uhrkam Elise mich holen, um ein Duett für Harfe und Klavier mit ihr zu spielen. DiePrinzen Louis und Jörüine gingen wieder nach Konstanz ins Theater, was der Prinzeßgar nicht paßt. Nach dem Diner lasen wir einen Artikel im „Temps" über den Petitions-entwurf, der am Samstag der Kammer eingereicht worden ist, und einen Artikel, in welchemgesagt ist, daß man Joseph und Louis * die Rückkehr nach Frankreich verweigern müsse,weil sie Prätendenten seien; aber den übrigen soll man die Rückkehr gestatten. Das alleshat zur Folge, daß man von ihnen spricht, und das macht ihnen Vergnügen.

Donnerstag, 14. April.

An den Tagen, an denen der Prinz ins Theater geht, spart die Prinzeß ihreschonen Schultern. Gestern zeigten sie sich wieder in voller Pracht. Ich halte das füreine sehr unschuldige und erlaubte Koketterie in ihrer Lage. Ich ging mit Elise, HerrnConneau und Prinz Ernst nach Konstanz . Beim Weggang tadelte die Königin letztemwegen seinem Mangel an Lerneifer. Der Prinz Järüme machte Herrn Zeppelin einenBesuch, und unser Prinz blieb bei seinem hübschen Bäschen. Wir kamen sehr spätzurück und fanden jedermann mit den Zeitungen und mit der Sitzung beschäftigt, inder man die Petition für die Rückberufnng eingereicht hatte. Herr von Golberg hattedas Wort zuerst ergriffen, dann der General Petit; die Herren von Briqueville und Larabiehaben vortrefflich gesprochen. Auch Herr Mauguin hat das Wort ergriffen, aber einwenig verlegen, und Herr Odilon Barrot hat trotz seinem Versprechen kein Wort gesagt.Das Resultat war, daß man zur Tagesordnung überging. Es ist das eine neue FoppereiLouis Philippes. In solchen Streichen ist er Meister.

Nach dem Essen spielte der Prinz mit seinem Bäschen Billard ; dann spazierte ermit ihr. Er scheint immer sehr eifrig mit ihr beschäftigt, und sie ist sehr artig mit ihm.Ich spielte Schach mit dem Prinzen Järöme; nachher bat mich die Königin, an HerrnGolberg zu schreiben . . .

Hier ist der Brief:

Arenenberg , 14. April.

Geehrter Herr! Ich beglückwünsche Sie mit allen Ihren zahlreichen Freunden zuder brillanten Rede, die Sie zugunsten der Rückkehr der Familie Bonaparte in derDeputiertenkammer gehalten haben. Sie ist hier von denen, die eS angeht, mit lebhafterGenugtuung gelesen worden. Man ist Ihnen sehr dankbar für das, was Sie für siegetan haben, und ist entzückt, ein so vorzügliches Talent, ein so hohes Verdienst, wiedas Ihre, unter die edlen Verteidiger ihrer Sache zählen zu dürfen. Mit Ihrem gewohntenScharfsinn haben Sie begriffen, daß gute Franzosen wie sie zu jedem Opfer bereitsind, das für die Ruhe des Landes notwendig ist, wenn die Regierung glaubt, ihre

> Joseph, der älteste Bruder des Kaisers, Exkönig von Spanien, der damals in Amerika sichaushielt, und Prinz Louis. Nach dem Tode des Herzogs von Reichstadt und seines älteren BrudersNapoleon, der 1831 in Forli an den Masern gestorben war, machten beide Ansprüche an den ThronFrankreichs .