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F, Schaltegger.
einander spazieren gegangen. Nachher hat mich die Prinzeß bis zum Essen im Salonfestgehalten. Abends haben uns die beiden Prinzchen * veranlaßt, die einfältigsten Charadenmit ihnen zu spielen. Der Prinz Louis wollte nicht mitmachen, und die arme kleinePrinzeß machte ein ganz bestürztes Gesichtchen, als sie ihn so kalt und wenig entgegen-kommend sah. Der Vater und der ältere Bruder sehen auch aus, als ob sie sich nichtschlecht langweilen. Heute kam der Fürst von Salm, seinen Sohn zu holen. Nach demFrühstück machte man einen Ausflug nach Schloß Berg/ das durch den Tod des Herrnvon Thurn käuflich geworden ist. Ich sah der Prinzeß an, wie peinlich es ihr war,daß der Prinz nicht mitkam. Es war aber auch in der Tat nicht sehr unterhaltend fürsie, mit Vater und Tante in einer Kutsche beisammen zu sitzen, und als wir in Berg ausstiegen, sah sie sehr mißgelaunt aus.
Sie kam auf mich zu, versicherte mich, daß sie mich sehr gern habe, und warbald wieder recht artig. Wir tranken Milch im Gasthaus, und bei der Rückkehr setzteich mich zu ihr in den Wagen der Königin, da der König sich entschlossen hat, im offenenBreak zurückzufahren. Die Prinzeß hätte zu gerne gewußt, was die Prinzen inzwischengemacht hätten, die erst zum Abendessen zurückkehrten. Die Abendgesellschaft war sehrangeregt; man tanzte, spielte, und der Prinz gab sich mit seinem Bäschen ab. Sie warentzückt davon. Ich glaube sogar, ihre Hände haben sich gesucht, und reizend war, wiesie ihm an der Türe Gutnacht sagte, als sie schlafen ging. Heute morgen aber warnichts mehr davon zu merken; der Prinz war wieder kühl.
Nach dem Frühstück lud uns der König zu einem gemeinsamen Spaziergang nachEugensberg ein. Er war schon vor dem Frühstück dort mit seinem Sohn Jöröme, welchemEugensberg diesmal gefallen hat. Die Prinzen Louis und Napoleon folgten uns imEselwagen und wollten mit demselben von Sandegg den schmalen Steig hinunterfahren.Da dies unmöglich war und sie ums Haar ins Tobel hinuntergestürzt wären, mußteman die Eselin ausspannen und braun und blau schlagen, so daß die Arme blutete.Schließlich warf der Prinz Louis den Karren den Berg hinunter, wobei derselbe in Stückeging. Ich war darüber empört. Auch war ich ungehalten über die Prinzeß, die dazulachte, und ganz besonders über den Prinzen Napoleon, dessen despotischer und reizbarerCharakter ohnehin nicht durch ein gefühlvolles Herz gemildert ist. Der König, der immervoraus eilt, führte uns dem Ufer des Sees entlang zurück.
Dienstag, IS. April.
Die Abendgesellschaft verlief ziemlich gehaltlos, mit kleinen Spielen nach Wunschdes Prinzen Napoleon und seiner Schwester, was zu einem Streit mit Prinz Jsrömeführte. Dieser wollte mit Herrn Conneau Schach spielen, und da wir diesen für unserSpiel in Beschlag nahmen, nahm der Prinz es übel und zog sich zurück. Wir glaubten,er sei zu Bett gegangen. Aber um 11 Uhr kam er wieder, um seiner Tante Gutenachtzu sagen. Frau von Reding hatte sich ebenfalls vom Spiel zurückgezogen, da die Prinzeßihr unartig begegnet war. Diese Kinder sind furchtbar ungezogen.
Heute morgen beim Frühstück erlaubte man sich mit Elise und mir den Spaß,uns im Salon zurückzulassen, während man zu Tische ging; aber da dies schon zwanzig-