Am Hofe einer Exkönigin.
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mal vorgekommen, ahnte ich es, und wir kamen noch vor Frau Salvage' zu Tische,die man gerufen hatte. Dieser Unterschied, den man zwischen ihr und uns machte, ver-letzte uns.
Donnerstag, 21. April
. . . Welch grausame Veränderung kann ein Tag mir bringen. Meine Mutter, meinearme Mutter! Wo soll ich die Kraft hernehmen, etwas anderes zu tun, als an sie zudenken! Sie ist krank, schwer krank. Noch hoffe ich; aber jeder Augenblick kann Berichtbringen, der meine Hoffnungen zerbricht. Nie wurde eines weniger vorbereitet auf solchenKummer als ich durch den Verlauf des gestrigen Tages. Das Wetter war wieder schön,und jedermann hier war zur Fröhlichkeit aufgelegt. . . .
Man hatte eine Fahrt nach Reichem» veranstaltet. Da ich nicht den ganzenNachmittag auf diese Weise opfern wollte, erklärte ich, daran nicht teilnehmen zu wollen.Ich begleitete die Gesellschaft bis zum Landungsplatz hinunter. Lauge nachher sah ichdie Ausflügler zurückkommen. Elise war ganz in Aufregung heimgekommen. Sie erzähltemir, sie hätte sich, bei dem Reichenauer Münster angelangt, von einer Erkältung ergriffengefühlt und wollte darum nicht hineingehen. Sie hatte sich im Kloster zur Ruhe begeben,indem sie Fritz 2 den Auftrag gab, sie zu rufen, wenn man aufbreche. Die Zeit verstrich.Endlich hatte sie des Wartens müde sich entschlossen, das Kloster zu verlassen im Augen-blick, als der Küster sie einzuschließen kam. Ohne zu ahnen, daß man sie absichtlichnicht gerufen hatte, gewahrte sie einige Bauernlümmel, die ihr aufpaßten, und meinte,sie wollten sie anbetteln. Allein diese folgten ihr unter lautem Gelächter und bewarfensie schließlich mit Steinen. Als sie am Gestade anlangte, sah sie, wie die Gesellschaftdrüben in Arenenberg landete, und sie bekam davon einen solchen Ärger, daß sie sich Gewaltantun mußte, um nicht in Schluchzen auszubrechen. Glücklicherweise gelang es ihr, mitdem bißchen Deutsch, das sie sprechen konnte, ein Boot zu bekommen und mußte an sichhalten, um vor dem Kahnführer ihre Tränen zu verbergen. Als sie endlich anlangte,sah sie, wie die ganze Gesellschaft aus sie wartete, um sich über sie lustig zu machen,was ihren Zorn dermaßen steigerte, daß sie sich nicht mehr beherrschen konnte, und alsPrinz Jsröme vortrat, um sie auszulachen, sagte sie ihm, ein solcher Streich setze sienicht in Erstaunen. Sie hätte allerdings geglaubt, auf die Artigkeit französischer Prinzenrechnen zu können. Solche Roheit sei für sie bezeichnend; man müsse allemnach die Ehredes Umgangs mit Prinzen dadurch bezahlen, daß man ihnen als Hofnarr diene, undin dieser Hinsicht seien sie allerdings rechte Prinzen.
Als sie sich entfernte, indem sie dieselben ebenso gedemütigt zurückließ, wie sie selbstwar, konnte sie noch hören, wie der Vater zu seinen Kindern sagte: „Da habt ihr, wasihr verdient." Was mich in Erstaunen setzte und Elise am tiefsten kränkte, war, daßder Prinz Louis, der sie doch hätte beschützen sollen, sich an dem Streich beteiligen mochte.Und wir beide waren entschlossen, allen die Stirne zu bieten. Als man zum Essen rief,kam sie zu mir, um sich unter meinen Schutz zu stellen, und so betraten wir den Salon,wo die ganze Gesellschaft versammelt war. Als wir erschienen, sahen alle einander an,bissen die Lippen zusammen, und einer sagte: „Finette stinkt wieder!" um einen Vorwand
' Frau Salvage de Faverolles, auch Ehrendame bei der Königin, ein intrigantes Frauenzimmer,das Fräulein Masuyer bei der Familie auszustechen suchte, was ihr am Ende beinahe gelungen wäre.
^ Dem Lakaien.