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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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F. Schaltegger.

zu haben für ein allgemeines Gelächter, das aber sofort verstummte, als ich sie alle miternster, kalter Miene musterte und bemerkte, das sei wohl etwas sehr Außergewöhnliches,da doch alle Hunde übel röchen.

Die Königin hatte sich Fräulein von Perrigny (Elise) genähert und, indem sieihr wohlwollend zuredete, sie zu Tränen bewegt. Der Prinz Napoleon , der dies gewahrte,lachte ganz laut darüber und stieß seine Schwester an, damit sie auch lache. Und siewar auf dem Punkte, es zu tun. Da beugte ich mich zu dem Kleinen herunter undmachte seinem Mutwillen ein Ende, indem ich mit der spöttischsten Miene zu ihm sagte:„Nun erkenne ich Ihr gutes Herz, Prinz; es entspricht unter allen Umständen dem, wieich es eingeschätzt habe." Hierauf ging man zu Tisch, und ich sah den Prinzen Jörömemit Frau Salvage laut Herauslachen. Da nahm ich mir vor, daß auch er seine Lektionbekommen solle. Das Essen verlief ziemlich frostig. Als man die Tafel aufhob, nähertesich Prinz Louis Elise, um mit ihr Frieden zu schließen, und ich sagte zu ihm in demTon, den ich entschlossen war, allen gegenüber anzuschlagen: „Sie tun gut, um die Ent-schuldigung zu bitten, deren Sie bedürfen; denn Sie sind an dem allem der einzigSchuldige." Er antwortete, indem er errötete, er sei nicht schuld; er sei ja nicht derAnführer der Bande. Darüber ging ich zum Kamin, um meine Füße zu wärmen, undfand dort den Prinzen Isröme, und als er mir sagen wollte, Fräulein von Perrigny seisehr töricht, daß sie die Sache so auf die hohe Achsel nehme, antwortete ich ihm, siehätte wohl Grund genug dazu; das sei eine unverzeihliche Roheit, und je höher eineUnverschämtheit falle, um so empfindlicher treffe sie. Es sei wahr, Fräulein von Perrignybefinde sich hier in einer ganz anderen Lage als ich, da sie die Ehre habe, mit derKönigin und dem Prinzen verwandt zu sein und als solche sich im Hause befinde. Hätteman mir diesen Streich gespielt, so wäre ich statt hieher nach Konstanz gegangen, bisman mich geholt und mir Abbitte geleistet hätte, oder hätte keinen Fuß mehr nach Arenen-berg gesetzt. Darauf antwortete mir Prinz Jörüme: „Ich hätte Sie jedenfalls nichtgeholt!" und ich: „Ich glaube auch, mein Prinz, daß ich nie mit Ihnen unter einemDache gewohnt hätte." Dann erzählte ich ihm die Fabel von Florian und den Affen,die gegen den Löwen das Spiel gewinnen, und Fräulein von Perrigny habe an ihnen dieMoral draus ziehen können. — „Da handelt es sich nicht um Prinzen." — „Nun, wenn hierkeine Prinzen in Frage kommen, hätten Sie es am Platze gefunden, wenn man IhrerSchwester so mitgespielt hätte?" — „Meine Schwester ist nicht so alt wie Fräulein vonPerrigny." — „Allerdings nicht; aber der Unterschied im Alter ist denn doch nicht so groß,daß ein Unterschied im Benehmen angezeigt wäre, und Fräulein von Perrigny hat einenBruder, der das sicherlich sehr krumm nehmen würde." Ich weiß nicht, welche Ungehörigkeitmir dabei entschlüpfte; aber mitten im Gespräch sagte mir der Prinz, wenn ich nicht einWeib wäre, würde er mir anders antworten. Ich fügte noch bei, das Schlimmste ander Sache sei das gewesen, daß man den Diener, dem man den Auftrag gegeben, zumUngehorsam verleitet und sie so vor dem ganzen Hausgesinde blamiert habe. Daraufantwortete mir Prinz Jörüme, das seien ja ihre Diener nicht, und sie habe ihnen keineBefehle zu geben. Da sagte ich laut, daß alle es hören konnten: „Fräulein von Perrignyhat das Recht, allen Dienstboten des Hauses Befehle zu erteilen, bis die Königin dasGegenteil befiehlt, und sie allein hat darüber zu urteilen." Die Königin, die vielleichtfürchtete, ich könnte zu weit gehen, rief mich unter irgend einem Vorwand. Nun nahmich meine Arbeit und setzte mich neben Elise, die auch arbeitete. Schließlich ging man