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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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Am Hofe einer Exkönigin.

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zu Spielen über. Wir beide rührten uns aber nicht. Man lud uns ein, mitzuspielen;aber ich antwortete, man habe uns ja nicht notwendig. Der König kam vorn Billardher und kniff mich ins Ohr, ich sollte kommen, und als Prinz Louis kam, mich zubitten, stand ich auf und machte mit. Elise aber blieb hartnäckig bei ihrer Arbeit.

Der Prinz behandelte sein Bäschen mit der größten Zärtlichkeit. Beim Schlafen-gehen erzählte ich Elise alle Geißelhiebe, die ich rechts und links ausgeteilt hatte.Bei ihr sind alle schlecht weggekommen, selbst die junge Prinzeß. Sie findet sie geistlos,ungut, vor allem nicht aufrichtig, und meint, sie sage ihr den ganzen Abend Schmeicheleienohne Ende, um sich hinterm Rücken über sie lustig zu machen.

Gestern Mittwoch 20. ist Frau von Reding zu mir gekommen, um mir die Börsezu zeigen, welche die Prinzeß für ihren Vetter gemacht hatte. Sie fand, sie sei nichthübsch genug, um sie ihm zu schenken, und wollte dafür eine andere, die sie ihrem Brudergemacht hatte, überreichen. Frau von Reding hat lange mit mir über die gestrigeAngelegenheit gesprochen. Ich habe ihr gradheraus alles gesagt, was ich davon dachte:Wenn die Prinzen Leute haben wollen, die sich verächtlich behandeln lassen, so sollen siesich doch einfach Stallknechte von der Gaffe holen. Wollen sie aber achtungswerte Leuteum sich haben, so sollen sie sie auch dementsprechend mit Achtung behandeln."

Ich wollte eben zum Frühstück hinunter gehen, als man mir einen Brief vonLaura * brachte. Wie groß war da mein Schmerz, als ich darin die Leiden meinersterbenden Mutter ausführlich beschrieben fand.

Sobald die Königin meinen Kummer sah, kam sie ganz bewegt zu mir herauf,schloß mich liebreich in die Arme und redete mir zu, um mich aufzurichten und sagte,ich soll doch nicht gleich das Schlimmste fürchten. Auch Herr Conneau kam, konnte miraber, als er den Bries gelesen, nicht viel Hoffnung machen. Ich war in erbarmungs-würdiger Verfassung. Ich war, während man mein Zimmer in Ordnung brachte, indas von Fräulein von Perrigny gegangen. Da kam der Prinz zu mir und bezeugtemir den warmen Anteil, den er an meinem Kummer nehme. Er komme mich zu trösten,sagte er und wiederholte mir, er habe mich seit langer Zeit gerne, ich dürfe es ihmglauben. Fräulein von Perrigny setzte sich mit ihrer Arbeit zu mir und erzählte mir, derPrinz sei überaus fröhlich. Seine Base habe ihm die Börse geschickt. Indem er ihrdafür dankte, sagte er, sie habe gewiß gefürchtet, ihn zu glücklich zu machen, wenn sieihm dieselbe persönlich überreiche. Er habe ihr die Hand küssen wollen; aber sie habesie ihm unter lebhaftem Erröten entzogen. Dann habe er sie in seinem kleinen Wagenspazieren geführt und den Nachmittag mit ihr im Salon zugebracht.

Ich bin ausgegangen. Als die Königin mich sah, kam sie mir entgegen, reichtemir die Hand und sagte, sie habe eben nach mir schicken wollen, ich soll mich doch nichtso absondern. Auf der Rückkehr nahm ich einen andern Weg, um nicht dem PrinzenLouis und Isrüme zu begegnen, die nach Konstanz gingen zu einem Ball, und einigeSchritte weiter sah ich den König, seine Tochter und Frau von Reding spazieren. DasZartgefühl ist nicht die starke Seite der Familie Montfort. Der Prinz Napoleon mustertemein verweintes und kummervolles Gesicht mit einer Neugierde, die nicht von Teilnahmezeugte. Herr von Weffemberg speiste mit uns. Die Prinzeß hat eine Partie Billardmit ihm gemacht und ist frühe zu Bett gegangen. Sie ist nicht so angenehm, wenn derWunsch zu gefallen ihre Züge nicht belebt.

' Die in, Straßburg verheiratete Schwester der Verfasserin, Frau von Franquevitte.