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F. Schaltegger.
Gestern Donnerstag morgen hatte ich kaum das Bett verlassen, als man mir Briefebrachte. Ich wagte nicht zu öffnen, und floh in mein Zimmer, um sie zu lesen. Aufder Treppe begegnete mir die Königin: „Haben Sie Nachrichten?" Ja Madame! „Alsolesen Sie!" Zitternd öffnete ich, und da die ersten Worte beruhigend waren, sagte ich'sihr. Da umarmte sie mich und sagte mir, wie sehr sie das freue. Herr Conneauerhielt von Fanny * einen weniger zuversichtlichen Brief ; sie schickte ihm Aimss' Briefmit dem Auftrag, ihn mir schonend mitzuteilen und mit der Bitte, daß man mich sofortreisen lasse, um zu ihr zu kommen. Die Königin sagte sofort zu, und der Prinz Nröme,der heute nach Stuttgart zurückkehren muß, bot mir einen Platz in seinem Wagen, daer über Sigmaringen fahre. Ich ging zur Königin hinunter, um ihr zu sagen, ich seientschlossen, die Einladung anzunehmen. Aber die Königin sagte mir, sein Vater wollenicht, daß er durch Sigmaringen reise, weil er keinen Offizier bei sich habe; allein zugehen sei aber nicht standesgemäß.
Ich wohnte noch der Einschiffung bei, da sich die Gesellschaft nach Loretto begab.Fräulein von Perrigny ging nicht mit, und tat recht daran. Die Königin, die ich aufeinem langen Spaziergang begleitete, scheint zu fürchten, die Cholera, die sich in Italien ankündigt, lade ihr am Ende die ganze Gesellschaft auf den Hals. Was sie am meistenstößt, ist, daß der König Frau von Holzing und Cavel herkommen läßt. Später kamich noch einmal mit der Königin zusammen. Ich war höchst erstaunt, die Prinzeß imHauskleid zu sehen, eingehüllt in einen Schal; sie, die sich sonst halb entblößt kleidet. Ichwollte sie eben fragen, ob sie etwa krank sei; aber die Erklärung fand ich, als ich vernahm,der Prinz Louis und sein Vetter seien in Konstanz geblieben, um ins Theater zu gehen.Sie hat's nicht gern, wenn man die Schönheit anderer Frauen rühmt; sie verzog denMund, als ich sagte, die Prinzeß Eugenik sei eine vollendete Prinzeß und Prinzeß Marie^sei hübsch, und noch viel mehr, als der Prinz sagte, Frau von Zeppelin sei die schönsteam Ball gewesen. Sie spielte eine Partie Billard mit Elise. Es war kaum 10 Uhr,als die Prinzeß schlafen ging, nachdem sie noch mit Prinz Napoleon getuschelt hatte,wie langweilig es sei auf Arenenberg , aber sie gewöhne sich allmählich daran. Ich fangean zu besorgen, daß sie nicht das ist, was der Prinz braucht.
Donnerstag, 5. Mai.
Noch ein langer und schmerzlicher Unterbruch. Freitag der 22. April, an dem ichzuletzt schrieb, war für mich voll von allen möglichen Aufregungen. Ich verreiste, ungewiß,ob ich meine Mutter noch lebend antreffe, das Herz zerrissen von qualvollen Zweifeln.Die Fröhlichkeit um mich herum machte mir Pein. Das war vielleicht ungerecht; aberdas Lachen der Prinzeß ist so laut und übertrieben, daß es mir falsch ins Ohr tönte.Elise sagte mir, sie sei entschieden höhnisch und wenig gefühlvoll; sie wünschte mir Glück,daß ich diesem spöttischen Lächeln, das mir in meiner Lage so peinlich sei, entfliehenkönne. Der Prinz und sie waren unzertrennlich; er setzte sich ihr in den Schoß undmachte bei ihr all die Mätzchen eines verliebten Menschen. Er sagte ihr tausend artigeDinge, die sie nicht verstehen konnte, — sie hat dazu nicht Gemüt genug; sie erschienenihr nur lächerlich und übertrieben. Er sagte: das Leben, die Seele gleichen einem Brief,dessen Äußeres, die Adresse, den Umschlag, jedermann sehe, den aber nur eine Person
' Der Schwager. Gemahl der Laura. ^ Die Erbprinzeß von Hohenzollern-Hechingen .
' Prinzeß Marie Murat, die Schwester der regierenden Fürstin von Hohenzollern-Sigmaringen .