Buch 
Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
Entstehung
Seite
67
JPEG-Download
 

Am Hofe einer Exkönigin.

67

lese, weil die Seele sich nur einer Seele offenbare. Er rief mich zum Zeugen der Wahrheitdessen auf, was er gesagt. Ich hatte es wohl verstanden und fühlte es auch. Ich dachtemit einem Gefühl der Bitterkeit, daß die Prinzeß ihn nie verstehen würde. Sie istgefallsüchtig, leichtsinnig, und er, mein Gott, hat alle entgegengesetzten Eigenschaften.Er verdiente wahrhaftig etwas Besseres.

Um 9 Uhr stieg ich in den Wagen mit dem Prinzen Järüme, nachdem ich vom ganzenHanse in liebevollster Weise verabschiedet worden war. Elise hat mir noch erzählt, diePrinzeß habe sich laut aufgehalten über die Unschicklichkeit, daß ich allein mit ihrem Bruderreise. Frau Salvage habe sehr höhnisch bemerkt, ich sei alt genug, um über solche Be-denken hinwegzusehen. . . Der Prinz Järüme hat geschlafen; im übrigen war er ganzanständig mit mir; aber sein harter, barscher und herrischer Ton stieß mich bei jedemPostwechsel.

Wir kamen um 7 Uhr morgens in Sigmaringen an. Meine arme Fanny hatnoch keine so beruhigenden Nachrichten, wie ich ihr brachte, erhalten. Die Fürstin *empfing mich sehr gut. Nach dem Essen sind wir im Schloß gewesen; ich habe derregierenden Fürstin meine Aufwartung gemacht. Sie hat den Vorschlag einer Zusammen-kunft in Überlingen , den ich im Namen der Königin für kommenden Mittwoch zu machenhatte, sehr beifällig aufgenommen. Die Fürstin ist ein wenig eifersüchtig auf ihren Gemahl,ihrer Schwester, Prinzeß Marie, wegen. Diese hat die Dummheit gemacht, ihr eineganze Geschichte zu schreiben vom Prinzen Karl und Marie von Aichner, in die er sehrverliebt war.

Bei der Rückkunft begaben wir uns sofort in den Salon, um die Schloßgesell-schaft zu empfangen, welche kam, um den Tee mit dem Prinzen Järüme zu trinken.Ich dankte ihm und verabschiedete mich. Andern Tags, 24. April, 4 Uhr morgens, fuhrenwir nach Straßburg . Unsere Mutter lebte noch, und der Vater erzählte uns den Verlaufder Krankheit und machte uns Hoffnung, ihr noch ein Jahr oder zwei das Leben zufristen. Donnerstag den 28. konnte uns Fanny ruhiger verlassen...

Der General Voirol war unter den Besuchern gewesen, die wir den Abend zuvorempfangen hatten. Er drang sehr in mich, ich sollte seine Frau besuchen. Ich hätte esnicht getan, wenn nicht der Gedanke an die Königin und den Prinzen mich veranlaßthätte, hinzugehen, und ich habe da von ihnen so gesprochen, daß die, welche mich ver-standen, bewegt wurden, und es gelang mir, ihnen etwas von der zärtlichen Hingebung,die ich ihnen weihe, einzuflößen. Auch der Oberst Vaudrey kam, um mit mir von ihnenzu reden. Er erzählte mir, ein Oberst hätte die Plattheit gehabt, dem Minister zuschreiben, er habe vom Prinzen ein Buch erhalten, ob er darauf antworten dürfe. Trotzdem Verbot versprach Herr Vaudrey mir einen Brief für meinen Prinzen und sprachmir von dem Vergnügen, das ihm die Bekanntschaft mit dem Prinzen bereiten würde.Ich habe ihn eingeladen, zu kommen, und am Samstag hat er mir einen Brief gebrachtfür meinen lieben Prinzen. Aimä ^ brachte mir auch vom General Voirol ein FläschchenRosenwasser und ein kleines Brieftäschchen, das er mich bat der Königin zu überreichen...

Das Leben meiner Mutter hängt an einem Faden. Ich war bei ihr zuversicht-licher; warum habe ich sie verlassen! Mich trieb die Wichtigkeit, welche die Königin

' Dieselbe war inzwischen Witwe geworden; die regierende Fürstin war, wie wir S. 66 gesehenhabe», eine geborene Prinzeß Murat.

' de Franqueville, Adjutant des Generals Voirol und Gemahl der Laura Masuyer.