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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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Am Hofe einer Exkönigin.

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ernst nehme und sich darüber ärgere. Wolle Gott , daß er immer über solchen Ärgerlache! Es kann ihm begegnen, daß er sich über jedermann ärgert! — ... Der armePrinz seufzte beständig. Er war artig mit uns während des Essens. Er erzählte uns,auf der Rückreise, als er Konstanz verließ, hätte er alle Welt auf der Straße in Auf-regung gesehen. Er erkundigte sich nach der Ursache und erfuhr, es sei eben ein Pferddurchgegangen, da das Leitseil gerissen war. Der Kutscher und ein Herr sprangen ausdem Wagen, um das Pferd anzuhalten, was ihnen aber nicht gelang. Eine Frau undein kleines Kind, die im Wagen geblieben waren, riefen laut um Hilfe. Da setzt derPrinz seine Cora in Galopp, erreicht und hält in einem Augenblick das Pferd an. DieFrau verließ den Wagen mit ihrer Tochter, faltete die Hände, segnete ihn und sagte:„Sie sind unser Retter." Ich genoß für den Prinzen das Glück, diese armen Leutegerettet zu haben. „Das wird den Reisenden Glück bringen, mein Prinz", sagte ich.„Ich hosf's", antwortete er mir mit einem tiefen Seufzer. „Allein ich habe kein Verdienstdabei; es war da keine Gefahr zu laufen noch waren Schwierigkeiten zu überwinden."— „Das ist gleich; es ist doch eine gute Regung, und alle Konstanzer , welche Sieohnehin schon verehren, werden Sie in die Wolken erheben. Das macht mir großesVergnügen um Ihretwillen."

Er hat eine lange Unterredung mit seiner Mutter gehabt, und um 9 Uhr ging erschlafen und sagte, die zwölf Stunden, die er zu Pferd zurückgelegt, hätten ihn sehrermüdet. Er nahm gleich Abschied von uns, da er am Morgen um 4 Uhr verreisenwollte. Er nahm Urlaub von seiner Mutter. Niemand weiß, wohin er will. . .

Die Prinzeß Mathilde hatte mir mitgeteilt, die Großherzogin habe für die Zeitnach Pfingsten ihren Besuch angemeldet. Der Herzog von Orleans reise im Nordenherum, um eine Frau zu suchen, und da.die Großherzogin auf ihre Hoffnungen nachdieser Seite hin Verzicht leisten müsse, bringe sie vielleicht ihre Tochter* her, um schlimmstenFalls wenigstens den Prinzen zu bekommen. Ich bin sehr froh, daß sie zu spät darandenkt; er hat nun seine Genugtuung für das Wort, das sie einst sagte, er svll's nurwagen, an ihre Tochter zu denken.

Mittwoch, 25. Mai.

Der Kammerdiener des Königs hat mir erzählt, er wolle in zwei Monaten wieder-kommen, im August, um den Geburtstag des Prinzen mitzufeiern, womit er ihn über-raschen will. Ich fand Gelegenheit, es dem Prinzen mitzuteilen, um seinen Kummer zulindern . . . Frau Salvage hat uns den „Simon" von George Sand vorgelesen. DieseFrau hat ihren Prozeß gewonnen. Sie hat ihr Vermögen, ihre Kinder, ihren literarischenRuf, ein gutes Haus und einen zahlreichen Hof; das wird eine gesuchte Frau werden.

Freitag, 27. Mai.

Die Königin war den ganzen Tag mit Bauplänen beschäftigt; der Prinz mußseine Braut anständig unterbringen und die Kinderchen, und ich werde mein Zimmer ver-lieren, kurz alles, was vom einstigen Arenenberg übrig bleibt. . . Frau Salvage gabdie gewünschte Auskunft über käufliche Güter in Spanien , welche ehemals Klöstern gehörthatten; allein jetzt, da Herr von Mendizabal aus dem Ministerium ausgetreten ist, hatdie Königin kein Vertrauen mehr. Jetzt verkauft sie dem König von Lahore ihre schönenWandteppiche um 20000 Fr., um ihr Haus zu bauen.

r Marie vermählte sich anno 1843 mit W. Herzog von Hamilton.