Buch 
Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
Entstehung
Seite
81
JPEG-Download
 

Am Hofe einer Exkönigin.

81

wir uns zu Fuß zur Dunkelkammer. Laura hatte schrecklich Angst, als wir in kleinemNachen uns nach dem Schloß Laufen übersetzen ließen, wo der Fall schöner ist. . .Es war neun Uhr vorbei, als wir endlich in Mannenbach anlangten. Da die Pferdebeim steilen, ziemlich gefährlichen Ausstieg nach Arenenberg rückwärts gingen, stieg ichaus und lief nach Arenenberg , um die Stallknechte zu Hülfe zu schicken... Ich fandbei allen Dienstboten sehr gute Aufnahme. Alles war erleuchtet; man tanzte im Salon.Wir eilten auf mein Zimmer, wo wir Fanny vorfanden .. . Wie wär's möglich, dasGlück zu schildern, das wir beim Wiedersehen zu dreien genossen? Ich ging zur Königinhinunter, die mich vortrefflich aufnahm; ich habe ihr Laura vorgestellt, die von ihrentzückt war. Ich legte es drauf an, daß sie aneinander Gefallen finden sollten, undes gelang mir gut. Laura hatte vollen Erfolg. Ich hatte ihr empfohlen, gefallen zuwollen, und sie hat mir vollkommen gehorcht. Deshalb schauten alle Herren nach ihraus. Herr Parquin hatte mir ein Wort geschrieben, um sich zu erkundigen, wann dieKönigin den Herrn Amable Girardin, Kürassieroberst der Garnison in Neubreisach,empfangen wolle. Da sie nicht wußte, ob er es gern sehe, wenn man um seinenBesuch wüßte, empfing sie ihn nachmittags in der Bibliothek und plauderte lange mitihm unter vier Augen. Allein, da er mit der Herzogin von Ragusa befreundet und seinNeffe, Alphons de Perregaux, auf Arenenberg war, nahm er keinen Anstand, sich öffentlichzu zeigen und nahm die Einladung der Königin, einige Tage bei uns zu bleiben, gernean. Er ist ein Mann von 42 Jahren. Er ist sehr heiter und liebenswürdig; wenner nur nicht immer Zoten risse . . . Aber ich weiß ihm Dank für seine Hingabe andie Königin. Mit dem alten Marquis de Beauharnais und seiner Tochter Hortensewar bald Bekanntschaft geschlossen. Sie standen schon auf gutem Fuß mit Fanny, undbald waren wir die besten Freunde von der Welt. Fräulein Hortense gilt mit Unrechtfür häßlich; sie hat sehr schönes Blondhaar, schöne Augen, einen angenehmen Gesichtsaus-druck und muß reizend gewesen sein, ehe die Pocken sie entstellten. Sie ist bedeutendund gefällt jedermann. Unglücklicherweise ist ihre Gesundheit sehr wankend, und ichglaube, die Königin hat Unglück mit ihrer Idee, sie an Karl Tascher zu verheiraten.Herr Perregaux würde gerne mit ihr fürlieb nehmen. Die Herzogin von Ragusa scheintsich sehr für diese Heirat zu interessieren; aber der alte Marquis will nichts davonwissen und ist gegen Alphons eingenommen aus Furcht, er möchte seiner Tochter gefallen,die er vor unserer Ankunft sehr umwarb; aber da er's nachher nicht mehr tat, hat ihmElise seine Beflissenheit für Laura übel genommen und hat eine Dummheit über dieandere gesagt.

24. September.

Sonntag den 2b. ist der Prinz von Montfort mit seinem Sohn Napoleon angelangt,mit dem guten und ehrenwerten Herrn Bohl, und ohne ihm Zeit zum Ausruhen zu gönnen,schickte er ihn nach Stuttgart , um den Prinzen Jörüme zu holen. Der König vonWürttemberg wollte ihn weder in die Schweiz noch nach Arenenberg gehen lassen, wegenall der Schweizeraffären, der Flüchtlinge und der Verschwörungsgerüchte.

Die Königin sagte mir, der Prinz sei entzückt gewesen von seinem Aufenthalt inBaden/ und er habe dort viele Freunde gewonnen; die alten Militärs redeten ihn mitTränen in den Augen an, und die jungen sagten zu ihm: „Wir zählen auf Sie!" und

' Allem nach ist ihm dort der Entschluß gekommen zu seinem Straßburger Abenteuer.