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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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Am Hofe einer Exkönigin.

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kritisieren, und sie waren darüber so verblüfft, daß sie den Komplimenten, die man denMitspielenden machte, nichts beizufügen fanden. Ich habe nur souffliert. Ein Tanzbeschloß wie gewohnt den Abend.

Dienstag, 4. Oktober.

Wir kamen sehr spät von Konstanz zurück, und als wir ausstiegen, sagte der Fürstvon Montfort zu uns:Raten Sie einmal, wer ist angekommen in Ihrer Abwesenheit?"Nachdem wir verschiedene Personen genannt hatten, sagte er endlich:Der Prinz Max*von Leuchtenberg." Die Königin war darüber so erfreut, daß sie vor Freude weinte.Ich traf sie im Salon bei ihm. Als sie ihn mir vorstellte, ging er einen Brief holenvon Josephine von Andlau, den er sofort brachte. Er ist groß, dünn, wohlgebildet undvon der schönsten und anmutigsten Eleganz, von immensem Wuchs. Seine Zähne sindwunderschön, seine Augen herrlich, und er erinnert diejenigen, welche sie jung gekannthaben, zugleich an Vater und Mutter. Ich weiß nicht, ob er immer so artig ist, wieer hier auftritt; hier ist er aber entzückend. In wenigen Stunden war die Bekanntschaft >geschlossen, und sehr bald wollte er zu den Kleinen gehören, in Anbetracht seiner Gestalt,wie er lachend erklärte, und sich an einem Ausflug nach Überlingen beteiligen, den ichfür den andern Tag angeordnet hatte, um Laura abzuholen, welche Fanny mir wiederbringen sollte.

Dienstag, 11. Oktober.

Am Dienstag morgen den 5. bereitet Laura die Aufführung eines Proverbesvor. Sie hat eine Rolle übernommen, die bereits ganz abgeschrieben und einstudiert ist.Am Nachmittag waren wir zu Schiff in Glarisegg und kehrten im Wagen zurück, frühgenug, um fürs Abendessen Toilette zu machen. Laura kam in ihrem grauen Kleidesehr schön herunter, und ich parodierte sie mit dem meinigen. Andern Tags beging manallerlei Torheiten und tanzte sehr lebhaft.

Freitag den 7. wurden Ausflüge gemacht. Der Prinz Max besuchte am MorgenSchloß Castell; später kam er mit uns zu Fuß nach Salenstein . Eugensberg gefiel ihmsehr. Wir nahmen den Abstieg über Mannenbach. Die Königin erwartete uns im Wagenunten im Dorf. Diesen Tag war's die reinste Komödie mit der Unentschlossenheit desFürsten von Montfort, ob er Hochstraß oder Gottlieben ankaufen solle; endlich entschieder sich andern Tags für Schloß Gottlieben . Der Prinz Max nahm liebenswürdigenAbschied von uns und nahm unser aller Bedauern mit sich.

Montag den 10. verreiste der Fürst von Montfort mit seinem Sohn, Herrn Bohlund Herrn Stolzing nach London ... Er gab der Königin Vollmacht, das SchloßGottlieben in stand stellen zu lassen, so daß er bei der Rückkehr dort wohnen könne.Man plauderte eifrig von allerlei Plänen und von der Route, die der Marquis undFräulein Beauharnais, die am andern Tag verreisen wollten, einschlagen sollten, alsgerade in der Mitte der Abendunterhaltung unser lieber Prinz erschien, dessen Rückkehrman so sehr herbeigewünscht hatte, als sein Onkel und seine Vettern noch da waren...

Mittwoch den 12. Oktober war Ball in Konstanz . Der Prinz ging hin. Ich tatmein möglichstes, um Laura davon abzubringen; aber sie wollte mitmachen, ließ es merken,und der Prinz, der es bemerkt hatte, richtete es so ein, daß dieKleinen" mit ihmgehen sollten. Laura mit einem Schmuck von Ähren und Kamee war reizend. Ich

' Derselbe vermählte sich 1841 mit einer russischen Großfürstin und starb 1852. Seither lebenseine Nachkommen in Rußland .