Am Hvse einer Exkönigin.
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entgegen gehandelt habe. Aber seine Gutmütigkeit und seine angeborene Großmut hattenseine Erbitterung bald überwunden. Sogar noch ehe er mich gesehen, hatte er sich sobenommen, wie wir nur wünschen können. Gestern abend war er, so bald er von ihr einenBrief erhalten, zu der Kranken (Prinzen) geeilt und hat, eine Stunde lang mit ihr sichunterhaltend, ihr alles gesagt, was ihr nützlich sein konnte. Er bot mir an, mich zu ihrzu führen, ihr Nachricht von mir zu geben und auch über sie zu berichten. Eine Stundespäter änderte sich die Lage, nicht für sie, aber für die andern. Ich konnte nicht so langebei ihr bleiben, wie ich wünschte. Man kam um mit ihm die Angelegenheit zu besprechen,und seine Frau hat mich in ein Nebenzimmer geführt und mit mir Tränen vergossenüber das so interessante Los der armen Kranken (Prinzen). Um mich ein wenig vonmeinen Kümmernissen abzulenken, hat sie mir Stadtneuigkeiten erzählt; so u. a. hat siemir berichtet, die Person, die mich aus dem Zimmer ihres Mannes vertrieben, habeihm soeben von einer andern Verhaftung Kunde gebracht, diejenige eines Kochs, denman seit 3 Tagen gesucht habe, und ihr Mann schließe daraus, die Dame (ich), diemit ihm gereist sei, könnte am Ende das gleiche Schicksal mit ihm teilen, sobald manihre Anwesenheit in Erfahrung gebracht habe Ich habe ihm gesagt, es sei sehr gütigvon ihm, sich darüber zu beunruhigen. Das sei der Mühe nicht wert, er soll nur fürdie Kranke besorgt sein. Im übrigen möge geschehen, was da wolle, so wünschte ich,daß sie beide nicht mehr Aufhebens davon machten als wie ich selber. Sie hat mir aucherzählt, man habe noch andere Verhaftungen vornehmen wollen. — Die erste, an dieman gedacht habe, sei die des Generaladjutanten und seiner Frau (Laura) gewesen ausAnlaß einer gewissen Reise. Aber der General habe es nicht zugegeben, habe für beidegutgestanden und zum Beweis, daß der Gatte sei» Vertrauen verdiene, habe er ihn nachParis gesandt, um dort über das Vorgefallene zu rapportieren.
Nach zwei Stunden für beide interessanter Unterhaltung hat die Frau des Arztes(Generals) mich über die kleine Treppe ihrer Wohnung durch den Garten geführt undmir eine Hintertüre, zu der sie den Schlüssel hatte, geöffnet und gesagt, ich werde sieoffen finden, wenn ich abends wiederkomme. Wir verabredeten, sie wolle ihre Kammer-frau schicken nin ein Paket mit Hemden, die Georg mir für Karl (den Bedienten desPrinzen) zurückgelassen habe, und ihr Gatte werde es um 4 Uhr der Kranken bringenlassen, wenn er sie besuche. Gleichzeitig wolle sie mich wissen lassen, wenn ich am Abendwiederkommen soll um zu erfahren, was tagsüber init ihr geschehen sei. ... Ich bingetröstet zurückgekommen und beeile mich, es Ihnen zu sagen. . . .
Die Stunden gingen hin; niemand kam; ich zählte sie in unaussprechlicher Angst,und da ich darauf gefaßt war, heute niemanden mehr zu sehen, schrieb ich der Kranken,um ihr von Euch Nachricht zu geben und steckte den Bries in ein Billet an die Fraudes Arztes, das ihr Sabine heute morgen überbracht hat, sobald es tagte, aber ohne,wie ich gehofft, sie sehen zu können. . . . Sie hat auch Laura einen Brief von mirgebracht, den ich verloren glaubte; er war aber nur verspätet und abends zuvor ange-kommen. Die arme Frau ist in einem erbarmungswürdigen Zustand. Es ist schwer,sich in ihre kritische Lage hineinzndenken: auf dem Punkt, verhaftet zu werden, umringtund belagert von Spionen, wagt sie sich nicht zu rühren, verlassen, wie das Unglückimmer ist — ohne ihren Gatten, ohne ihren Vater; am Bett einer Sterbenden hatihre Kraft versagt; sie ist auch krank, und um das Maß ihres Leidens voll zu machen,hat eine Freundin, die mit dem Staatsanwalt eng befreundet ist, ihr mitgeteilt, man