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F. Schalteflger.
wisse, daß ihre Schwester hier sei, und man suche sie, um sie zu verhaften. Die armsLaura hat darüber den Kopf verloren; denn der Gedanke, ein geliebtes Herz in Gefahrzu wissen, einen zwanzigjährigen Freund in einem so kritischen Moment zu verlieren,da ihr Gatte den Weg einer harten und schweren Pflicht ging, versetzte sie in Ver-zweiflung. Glücklicherweise ist ein Brief ihres Gatten eingetroffen, der Balsam in ihreWunden gießt.
Kommen wir auf den Adjutanten zurück (A. de Franqueville), der nach Paris verreist ist. Da der Telegraph seine Abreise von hier meldete, holte ihn bei Ankunft derBriefpost ein Adjutant des Königs ab und führte ihn, ohne ihm Zeit zum Kleiderwechselzu lassen, in die Tuilerien, wo die Minister und die königliche Familie um den Königversammelt waren, um den Inhalt der Depeschen, die er brachte, zu prüfen. Sie wurdenvor allen laut vorgelesen. Nach zwei bis dreistündigen Verhandlungen hat man ihmerlaubt, sich zurückzuziehen. Er hat von den langen und lebhaften Unterhandlungen nurzwei Dinge behalten, die er seiner Frau mitzuteilen sich beeilte, das eine, daß das Lebendes Prinzen nicht bedroht sei und daß er schlimmsten Falls mit Gefängnis davonkommenwerde, das andere war die Überzeugung aller, die Mutter des Prinzen wisse nichts vondiesen Zettelungen und sei ihnen völlig fremd.
Kehl , Freitag, 4. November, 3 Uhr.
(Nr. 6.) Der nämliche Freund des königlichen Anwalts gab Laura den Rat, keineihrer Schwestern weder zu sehen, noch ihnen zu schreiben, weil unter den Akten desbeginnenden Prozesses sich ein Paß von Sigmaringen befinde. Sabine kam mit alldiesen Nachrichten und bat mich unter Tränen, an meine eigene Sicherheit zu denken.Unter den Gründen, die sie anführte, war der einzige, der mich rührte, der, daß ich,einmal verhaftet, weder mir noch andern mehr nützen könnte. Doch wollte ich nicht ab-reisen, bevor ich den Arzt und seine Frau gesprochen oder doch Nachricht von ihnenerhalten habe. Die Stunde, da die Pariser Post anlangt, war vorüber, und ich saßauf Kohlen zu erfahren, was sie gebracht habe. Statt auf Sabine zu hören, schickte ichsie, um ein Abonnement des Tagblatts zu nehmen, und von da zum Arzt. Die zweiStunden, die sie dazu brauchte, kamen mir endlos vor, und als sie kam, machte sie einbetrübtes Gesicht, so daß ich schon glaubte, sie bringe irgend eine schlimme Nachricht;denn der Zustand der Kranken erlaubt keine Aufregung. Glücklicherweise geht's ihr stets-fort gut. Sabine konnte den Arzt nicht sehen. Er ist so von Konsultationen in Anspruchgenommen in seinem Privatkabinett, daß es unmöglich ist, ihn zu sprechen. Selbst seineFrau hat ihn den ganzen Tag nicht zu Gesicht bekommen und mein Billet, das ich ihrfür sie mitgegeben, nicht erhalten. Er hat sie nur einen Augenblick gesprochen, um ihrzu sagen, ich soll sofort abreisen. Sabine, die mir diese Neuigkeiten überbrachte, berichtetemir alles, was sie über die Vorgänge in der Stadt von der Frau des Arzteserfahren hatte.
Da der General von Paris nichts erhalten hatte, erwartete er seinen Adjutanten.Bis dahin standen die Verhafteten unter seinen Befehlen und wurden dementsprechendbehandelt. Aber der Oberstaatsanwalt des Kolmarer Gerichtshofs war gekommen, umdie Leitung des Prozesses an Hand zu nehmen, und hatte sich mit der ganzen Strengeder Justiz desselben bemächtigt. Alle Verhafteten waren in Geheimarrest. Der Prinz-