Am Hofe einer Exkönigin.
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Philippe, und die Seinen lobte, sich aber über die ungerechten Anschuldigungender ministeriellen Blätter gegen die Bonapartisten beklagte, änderte der Lord sofort das Gesprächsthema.
Donnerstag, den 30. Juni t831.
Am Montag vollzog sich unsere Reise von London nach Wooburn Cottageauf die rascheste Weise der Welt. Zweiundvierzig Meilen in dreiundeinhalbStunden; man kann nicht besser geführt werden. Der neue Wagen der Königinhat vortreffliche Federn und drei Personen haben recht gut darin Platz. Aberder Prinz, aus Furcht, er könnte die Mutter oder mich belästigen, folterte uns,indem er sich zwischen uns beiden auf den Rand des Polsters setzte.
Er hatte Zeitungen mitgebracht, in denen er auf dem ganzen Wege blätterte,und, um mich an' seiner Lektüre halb teilnehmen zu lassen, richtete er mitlauter Stimme Fragen an mich, wie sie sich ihm während der Lektüre auf-drängten; z. B.: „Fräulein Masuycr, was mag der König der Franzosenfür Gründe haben, daß er an den Kaiser von Oesterreich ein Handschreibenrichtet, worin er ihm die Begnadigung Zucchis empfiehlt? . . . Fräulein Ma-suyer, können Sie mir sagen, ob der Tod Dicbitschs etwas an den polnischenAngelegenheiten ändern wird? Diebitsch war nämlich, wie Sie wissen, einTrunkenbold." Die Konkurrenz, welche die französische Regierung über dieAufrichtung des neuen Standbildes auf der Bendomesänle eröffnet, gab Stoffzu langen Diskussionen.
Wir werweisten, ohne sie zu kennen, über die Projekte von Foyatier,Dumont und Düret, Rüde, Jousfroh und Duseigncur. Schließlich half unsein Brief, den ich, eben angekommen, von Herrn Salvage aus Rom eingesteckt,über den Rest des Weges hinweg.
Welch ein wunderbares Land dieses England! Welcher Luxus an Rein-lichkeit und Sorgfalt! Welch königliche Residenz dieses Schloß von Wooburn!Die Größe, die Ausstattung, der Luxus und die Eleganz solcher Häuser lassenalles weit hinter sich, was man derartiges in Frankreich zu sehen bekommt.Wir haben dort allerdings keine Besitzer, die wie der Herzog von Bedford überzwei Millionen Einkünfte verfügen und doch einen großen Teil des Jahres ausihren Landgütern zubringen. Dieser einfache Edelmann ist viel mehr Grand-Seigneur als z. B. der Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen. Man muß abergerechterweise auch sagen, daß er viel einfacher und den gewöhnlich Sterblichenviel leichter zugänglich ist. Die Herzogin ist hervorragend in der Erfüllungihrer Pflichten als Gastgeberin, und ich zweifle, daß man anderswo viele« .Hausfrauen finden wird, die tun würden, was sie soeben getan, indem sieeinen Ball verließ und in der Nacht einen Weg von vierzig Meilen zurück-legte, nur um Gäste auf ihrem Landgute zu empfangen.
.hat man das Schloßtor erst hinter sich, so durchläuft man einen ziemlichlangen Gang, bevor man beim Wohngebäude anlangt. Die Fassade, wedersehr modern noch sehr elegant, ist nur nur eine der vier Seiten eines massivenGebäudes, das ein wahres Labyrinth von Zimmern und Gemächern umfaßt.Eine zahlreiche Dienerschaft nimmt uns auf dem Vorplatz in Empfang, um uns