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Tas sechs,rlntte ^akirhnadrrt.
der auffallende Reichrum schriftlicher Denkmäler. Nach der Zahl unddem behalt derselben liegt hier der Schwerpunkt unserer ältern ein-l>eimische» Bleratnr. st» den Vordergrund drängt sich das Drama undzwar als Volksschans piel, das historische Volkslied, das Kirchenlied und,ivi^uberall, wo alt?'und neue Welt aus einander gehen, dir volkS-mäßige Lalirc. Durch dir Bibelübersetzung wird nicht nur die Prosanachhaltig gefördert, sondern alles geistige und künstlerische Schäftenbegibt sich unter das ncn entrollte Banner des Cöotteswortcs. „Dannwarlich — heisst es in der Vorrede zu Hans von Ristes „Goliath" —redt ietz (Hott niit uns uf mancherlei uns und hält uns fin heiligswart für, »it allein mit predigen, sonder mich mit truckrn, mit schriftcn,mit Psalmen und geistlichen liebern und durch zierliche spil, mit wölchcndie iürnemern geschichten, aus h. schrift gezogen, erüferet < wiederholt),erfrischet und glich lebendig dcri listen vor die ougen gestellet werden,dass wir wol sagen mügen, die wisheit (HottcS ruof und schrige (schreie)uf der gaffen." Alles ist Tendenzliteratur im Dienste für die Refor-mation, oder wider diese, stein Stand bleibt vor Angriffen verschont,am wenigsten der römisch-geistliche. Der Unbarmberzigkeit, mit welcherdir Pamphietlitrratur sich auf ihre Opfer wirst, entspricht die Derbheitund Roheit, womit das große Strafgericht a» der tief gesunkenenstleruei ausgeübt wird.
Es ist das zornige, das grobe, das krakcclerischr stahrhundert.Aber auch das ernste und grundehrliche. Aller bisher verschlossene»grimm gegen die Träger einer verrotteten -stirchc und eines ver-rotteten Staates bricht sich nun schrankenlose Bahn. ' Der Sittcnverfallin alle» seinen Aeußerungen ist das nie genug variierte Thema derDichtung. >lm Volkslieds ivendet sich der tNmll seit den Schwaben-kriegen lauter gegen das stammverwandte Ausland. Der schweizerischeReisläufer reibt sich unaufhörlich am kaiserlichen Landsknecht und dieserwird nicht müde mit Drohungen, den Ester Heust über das stuhinaulzu hauen. „Etliche sprachen — schreibt Stumpf — sie hätten vorwahren einen toten Schweizer mehr gefürchtet, denn seht zehn lebende.Sie hätten nachgerade auch kriegen gelernt und wollten im Schweizer -lanoc dermaßen brennen und räuchern, daß unser Herrgott, auf demRegenbogen sitzend, die Füße vor Hitze an sich ziehen müsse und St.Peterdie Himmelstüre nicht mehr anstun dürfe." Der schweizerische Volts-reim aber höhnte . „Tüfel. friß inönch, sch i» lantsknccht, und wuschden ar^an Pfaffen! Si machend uns zno äffen."
Als Hanptgaltuilg stellt sich das Drama an die Spitze der ge-samten bilrratur des Zeitraums.