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Geschichte der deutschen Literatur in der Schweiz / von Jakob Baechtold
Entstehung
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5. Oas stchszrhnte Zahrhnndrrt.

Nun war einer frommen Eidgenossenschaft Achtung an Ehre undNamen in alle Höbe und ihr Glück so weit gestiegen, das; nichts vonaussen dasselbe brechen oder umstoßen konnte. Aber im Innern walztesich daö Rad des Glückes durch Zwietracht und Eigenmch von selbstum und führte in Erniedrigung." (Valerins Anshelm zum Jahre 1512.)

Der Kampf um die Freiheit hatte mit dem Getümmel der Söldner-kriege geschlossen, die geistige und sittliche Verwilderung das Boll anden Rand des Verderbens gestoßen. Reitend, verjüngend, veredelndtrat die Reformation ein. Wohl vollzog sie sich auch hier als Revo-lution auf allen Gebieten, wohl gicng von da ein tiefer Riß durchdie Nation, wohl führte die Glaubcustrcnuung zum Bürgerkriege,welcher für die Evangelischen unglücklich endete. Und vollende nach derHälfte des Jahrhunderts schien alles im Rückgänge begriffen zu sein.Aber der neue Geist war nicht mehr aus der Welk zu schaffen undseiner siegreichen Gewalt verdankt auch die Schweiz , die' reformiertewie die katholische, ihre Wiedergeburt.

Mau steht an der Wende zweier Wcltaltcr. Die Zeit ist in ihrenTiefen aufgewühlt HiH nur langsam verziehen sich die dunkeln Fluten.

Unabhängig von Luther hebt Zwingst, wie jener ein Sohn desVolks, sein Reformwerk mit der Bekämpfung eines einzelnen kirchlichenMißbrauchs an, greift aber sofort tiefer in die Verfassung und Lehreder Kirche und des Staates ein, um das gesamte religiöse, politischeund geistige Leben auf fester evangelischer Grundlage neu auszurichten.

Wenn je die Literatur ein Spiegelbild des öffentlichen Lebens war,stellt diejenige des ReformationSjahrhnndcrts ein solches dar. Wenndas Bild vielfach ein trübes ist, trägt der Spiegel die Schuld nicht.

Die ganze litcrarischc Produktion der Zeit ist Erzeugnis derReformation. Ucbcrwicgend ist die volkstümliche Richtung. Eine naiveFreude am Dichten ergreift das Volk in seiner Gesamtheit. Daher

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