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HirzclS. Mirabeau dagegen erklärte das Buch über Klcinjvgg fiireines der nützlichsten, das je ans ^icht gekommen.
Als den eigentliche» Abgesandten an die deutschen Freunde be-trachtete Bodmer seinen Verwandten, den Herausgeber seiner Gedichteund der Epigramme Wcrnikcs, Johann Georg Schultheß (1724bis 1804), welcher, nachdem ihn Bodmer — wie dieser einmal sagt —„ziemlich eingeseift, damit es Zürich nicht an bemux esprits undihm nicht an Vertheidigern fehle", im August 1749 eine längere Reisenach Deutschland antrat und bei Geliert, Nabencr, Andreas Cramcr,l?angc, Ramlcr, Hagedorn, NeimaruS, Mopstock, Haller n. s. w. an-kehrtc. Schultheß regte mit Sulzcr und Namler nach dein Musterähnlicher Züricher Vereinigungen die Stiftung des berühmten BerlinerMontagöklubs an, der lang über ein Jahrhundert bestanden hat.Er war der erste Senior dieser geselligen Vereinigung. Nach seinemWeggang aus Berlin (Juli 1750) folgte ihm Sulzer in dieser Würdenach, seit 1758 Ramler. Ein Jahr darauf trat auch Lessing demMub bei. Gleichzeitig mit Schultheß weilte der junge SalomonGcßner als Buchhändlergehilfe in der preußischen Hauptstadt undmußte den Verschleiß der Bodmcrschen Ladenhüter, die diesem ausseinem aufgegebenen VerlagSgeschüft geblieben waren, betreiben.
Inzwischen hatte Bodmer „den Punkt der Mittagshöhe bcschritten",wie er singt. „Die Adern schäumen nicht mehr mit wildem gährendeuGifte, So oft ein schönes Gesicht mit schwarzen freundlichen AugenMich schalkhaft lächelnd begrüßt und sich schämt. . . . Mein Arm hängtnicht mehr cnipor, die schwere Peitsche zu führen, Womit der Gottdes «Geschmacks mich versah." Da tat sich ihm — wie er glaubte —das goldene Zeitalter der deutschen Poesie auf, nachdem er „mit Schwin-deln, Ekeln und Gähnen" durch das eiserne sich hindurchgearbeitet,llnter den deutschen Kunstlehrer»« hatten die Züricher zuerst auf denpsychologische«» Grund der Kunst und ihrer Gesetze zu dringen gesuchtund waren zu der Einsicht gelangt, daß diese Gesetze aus der Be-obachtung der Natur der menschlichen Seele abgeleitet seien. AberBodmer eriuangeltc der eigenen poetische» Schöpferkraft, seine Theoriein dichterische Taten umzusetzen. Daher sein Enthusiasmus, als eiidlichder Ansang eines Werkes erschien, wie e» ihm seit Jahren vor derSeele schwebte, das den von ihm verkündigten Geist Miltons mitdemjcnigen Houiers vereinigte: KlopstockS „Messias."
Bodmer hatte ungefähr zu gleicher Zeit von zwei verschiedenenSeiten, von Hagedorn und Gärtner, dem Herausgeber der „Bremer Beiträge ", die ersten handschriftlichen Proben des „Messias" zur Be-urteilung erhalten. Das »var im Mai 1747 gewesen. Er sicherte