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Exegetische Briefe über des Marcus Vitruvius Pollio Baukunst : an August Rode / von Hans Christian Genelli
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Stand der Altar in dem Tempel, so scheint mir, wäre diese Anmerkung ungereimtgewesen. Sind sie der Vesta, der Erde oder dem Meere geweiht, so sollen sie nie-driger gehalten, den himmlischen Göttern aber sollen höhere errichtet werden: undda diese Höhe bey ihrem Stand im Freyen immer so grofs wie möglich genommenwurde; so war von ihm die Einschränkung sehr zweckmäfsig, dafs sie jedoch nieden Stand der Gottheit übertreffen sollten,

Einen solchen Altar des Olympischen Jupiters beschreibt uns Pausanias *). Ver-muLhlich war derselbe im Plane quadrat, und seine Seiten liefen in Böschung, sodafs die obere Fläche etwas kleiner war als die Grundfläche. Sein Unterbau, aufwelchem er stand, und der Prothysis genannt wurde, maafs im Umfange hundertund fünf und zwanzig Fufs. Zu beyden Seiten führten Treppen auf denselben, sowie auch auf den oberen Altar hinauf. Die Opfer wurden auf der Prothysis ge-schlachtet, und ihre Keulen dann oben auf der Ara verbrannt. Diese hielt im Um-fang zwey und dreyfsig Fufs, und der ganze Altar war hoch zwey und zwanzigFufs. Nehmen wir nun die Höhe des Fufsgestells im Tempel auf welchem derThron Jupiter stand, und die Erhöhung des Fufsbodens oder die Stufen des Tem-pels zusammen; so mochte leicht der Stand der Bildsäule den Altar noch übertreffen,da des Tempels ganze Flöhe acht und sechszig Fufs betrug. Jedoch läfst sich hiervon dem einen auf das andere nicht mit Sicherheit schliefsen, weil der Altar, wiees scheint, nicht die Ansicht der Bildsäule hatte, welche Vitruv als Grund seinerBestimmung angiebt, und folglich dessen Höhe leicht ohne Rücksicht auf diese ge-wählt seyn konnte. Übrigens war dieser Altar des Materials wegen nur von roherForm; und bey derselben Gelegenheit erzählt uns auch Tansanias, dafs die Athc-nienser ihre Opferheerde nur in der Eil zu errichten pflegten, und folglich gewöhn-lich keine stehenden Altäre hatten,

Mit Schüchternheit nur lege ich Ihnen diese Vermuthung vor, indem es mirimmer mifsüch scheinet, die Worte eines Textes zu ändern, als wozu wenigstensweit mehr Erudizion erfordert wird, als ich mich zu besitzen rühmen darf. ZumSchlüsse genehmigen Sie die Versicherung meiner uneingeschränkten Flochachlung.

*) Elea, nach Goldhagens Uebersetzung i. Th. pag. 6ig,