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H. Angst — Gründungs-Geschichte.
gebrauchten Ausdruck « Nationalmuseum » durch « Landesmuseum » zu ersetzen, weil wirSchweizer strenge genommen keine Nation seien.
Das Jahr 1888 hatte für die gute Sache der Erhaltung schweizerischer Alter-tümer und der Errichtung eines Landesmuseums ausserordentlich viel Erfreulichesgebracht. Seine Kehrseite zeigte es, als am 17. Oktober Salomon Vögelin , gebrochendurch ein Uebermass von Arbeit im Dienste und für das Wohl seiner Mitbürgernach langem, qualvollem Leiden aus dem Leben schied. Vögelin war im öffentlichenwie im Privatleben eine seltsame, von vielen unverstandene und unrichtig beurteilteErscheinung. Als letzter Sprössling einer stadtzürcherischen Familie, deren körper-liche und geistige Eigenschaften sich durch manche Generationen hindurch in immerähnlichen Lebensstellungen in einseitiger Weise entwickelt hatten, zeigte Vögelinihre vererbten Vorzüge und Mängel in ausgesprochenem, eigentlich potenzirtemMasse. Gleich erstaunlich wie die Vielseitigkeit und Tiefe seines Geistes war VögelinsArbeitskraft, die es ihm ermöglichte, auf jedem Gebiete, das er betrat, seinen Mann zustellen. Was ihm aber zur Durchführung seiner hohen Ideale und Pläne fehlte, warenpraktisches Geschick, Konzentration sowie die anhaltende Willenskraft, welche einemrobusten Körper entspringt. Zerrissen von rätselhaften Widersprüchen in seinemInnern und deshalb zu Extremen geneigt, blieb er trotz mancher bittern Enttäuschungbis an sein Ende vor allem der hingebende Freund der körperlich oder geistig Armen,aber auch der furchtlose Gegner von Hartherzigkeit oder Ausbeutung, gegen welchesein angeborener Gerechtigkeitssinn sich mächtig aufbäumte. Seine ausgesprochensozialistischen Anschauungen waren weder das Resultat volkswirtschaftlicher Erwäg-ungen noch politischen Ehrgeizes; die einzige Triebfeder, welche ihn dabei bewegte,bestand in seiner Menschenliebe. Ein begeisterter Freund alles Schönen und rastloserForscher auf dem Gebiete der schweizerischen Kultur- und Kunstgeschichte, warVögelin gleichzeitig ein warmer Vaterlandsfreund, weshalb er die Idee eines schweize-rischen Ruhmes- und Kunsttempels, als welcher ihm das künftige Nationalmuseum vor-schwebte, eifrig ergriff und verfolgte. Als er im Herbst 1888 auf das Krankenlagergeworfen wurde, von dem er sich nicht wieder erheben sollte, da herrschte noch dieStille vor dem Sturm. Der lange, heisse Kampf, ob überhaupt ein Landesmuseum ent-stehen solle oder nicht, schliesslich verwirrt und vergiftet durch den Zank um den Sitz,war noch nicht entbrannt. Die opferfreudige Bewerbung der Städte erweckte denSchein allgemeiner Uebereinstimmung in der Wünschbarkeit eines Zentralmuseums.Vögelins gründlich zerstörte Gesundheit würde ihm nicht mehr erlaubt haben, in deneidgenössischen Räten und vor der Oeffentlichkeit tatkräftig in den Streit einzugreifen;ohnmächtig hätte er ihm von dem Todbette aus Zusehen müssen. Die gütige Vorsehungersparte ihm diese schwere Prüfung; mit der tröstlichen Ueberzeugung, dass das Werk,dessen beredter Kämpe er bis dahin gewesen, gesichert sei, schloss er die Augen, tiefbetrauert von allen denen, die durch irreführende Aeusserlichkeiten und menschlicheSchwächen hindurch die edle Seele Vögelins erkannt und sie zu verehren gelernt hatten.Der Verfasser glaubt, dem ersten Vorkämpfer des Landesmuseums, der schwer unterder Verkennung litt, die ihm gerade in seiner Vaterstadt oft unverhüllt entgegentrat,