dem noch Fibeln des mit der Kahnfibel nahe verwandten Sanguisuga -Typus gefunden.Der wesentliche Unterschied zwischen den Gräbern der Certosa und denjenigen vonS. Lucia besteht in der Art der Vorgefundenen Gefässe, hier griechische Vasen, dorteinheimische Gefässe. Marchesetti erklärt sich diesen Unterschied durch die Abgelegen-heit des Gräberfeldes von S. Lucia, in Folge deren die griechischen Töpferei-Erzeugnisseerst viel später in jener Gegend bekannt wurden.
Gestützt auf die Vorgefundenen Fi bei typen gibt Marchesetti dem Gräberfelde vonS. Lucia das Alter der Gräber der Certosa von Bologna .
Die Gräberfelder von Golasecca , nahe dem Ausflusse des Tessins aus dem Langen-see gelegen, sind dem eben genannten nahe verwandt. Gleichzeitig zeigen die dortigenkünde eine auffallende Ähnlichkeit mit denjenigen von Castione und Molinazzo-Arbedo,ein Umstand, der sich durch die geringe Entfernung der beiden Gräberfeldgruppenzur Genüge erklärt. Pompeo Castelfranco bespricht die Gräberfelder von Golasecca imBullettino di Paletnologia Italiana von 1875. Er glaubt, dass sie aus dem Ende derersten Eisenzeit, also aus dem 7. bis 6. Jahrhundert vor Christo stammen. Ausser denin S. Lucia vorkommenden Fibeltypen ist hier auch der Sanguisuga -Typus sehr zahl-reich vertreten, weshalb derselbe oft auch als Golasecca-Typus bezeichnet wird.
Aus dem eben Gesagten darf mit ziemlicher Sicherheit der Schluss gezogenwerden, dass diejenigen Gruppen unserer beiden Gräberfelder, welche die Golasecca-fibel, Certosafibel, Bogenfibel ohne Spiralfeder, Schlangenfibel und Sprossen- oderHornfibel aufweisen, der oben bezeichneten Periode respektive der Zeit vor der Ein-wanderung der Gallier angehören. Ähnlich wie in Golasecca dürfte sich auch bei unseine ältere und eine jüngere Gruppe ausscheiden lassen. Wir behalten uns jedochgenauere .Studien in dieser Richtung bis zu der Zeit vor, wo wir die übrigen Gräber-felder von Arbedo und Castione zu besprechen im Falle sein werden.
Wenn wir die eben besprochenen Gräber als unter dem Einflüsse der etruskischenKultur entstanden betrachten, haben wir nun noch zu untersuchen, welchen Kultur-perioden die übrigen Gräber ihre Entstehung verdanken.
Zu Anfang des vierten Jahrhunderts vor Christo, vielleicht in kleinen Gruppenschon früher, drangen die Gallier in grossen Massen in Italien ein und setzten sichin der Po-Ebene fest. Im Jahre 390 rückten sie dann bekanntlich bis gegen Rom selbst vor. Wir dürfen wohl annehmen, dass sie gleichzeitig auch gegen Norden sichausdehnten und das damals «Leventina» geheissene Tessintal besetzten. Die damaligeBevölkerung dieses Tales, ohne Zweifel eine mit derjenigen der Po-Ebene nahe verwandte,wie wir aus der Vergleichung der Gräberfunde von Golasecca mit den unserigen schliessenmüssen, wurde entweder unterworfen oder verdrängt. Diesem Eindringen der Gallier,bezw. ihrer Vermischung mit der italischen Urbevölkerung, hat unserer Ansicht nachdie zw r eite Hauptgruppe unserer Gräber ihren Ursprung zu verdanken. Es sind diesdiejenigen Gräber, welche gallische Fibeltypen aufweisen, also die Früh-La-Tene-Typenvon Marzabotto, von Peschiera , von Misox (Schlussstück mit Kopf), von Dacheisen-Zürich (Schlussstück mit Scheibe), endlich die Früh-La Tene-Eisenfibel in ihren ver-schiedenen Formen.
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