J. Zemp — Die Backsteine von S. Urban.
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schehen sein. In starke Holzkisten wird zunächst der ziemlich nasse Ton wuchtig einge-schleudert, um Blöcke von der ungefähren Gestalt der herzustellenden Backsteine hervor-zubringen. Diese erste Form muss grösser sein, als die fertigen Steine, da sich die Stückewährend des Eintrocknens um ungefähr 8—io°/o verkleinern. Wenn die Blöcke in etwaacht bis zwölf Tagen halbweich, oder, wie der Hafner sagt, «lederhart» geworden sind undvon jetzt an ihr Volumen bis zum völligen Austrocknen nicht mehr wesentlich verringern,wird ihnen durch Bearbeitung mit Messer und Richtholz die definitive Grösse und Gestaltgegeben. Reicher formirte Stücke, wie Säulenbasen und Kapitale werden frisch und sicheraus rechteckigen Blöcken mit dem Messer geschnitten und zu diesem Zwecke vorersteinige ITülfslinien eingeritzt (vgl. Fig. 30 und 31). Auf den Blöcken zum Beispiel, welcheFenstersturze abgeben sollen, wird die Bogenöffnung und der rückseitige Falz mit ein-geritzter Linie vorgezeichnet und dann mit dem Messer ausgeschnitten (vgl. Fig. 10). Dieschöne Glättung der Schauseiten mag durch nasses Überstreichen bewirkt worden sein;die Lagerflächen werden gewöhnlich etwas rauh gelassen. Es folgt sofort die Arbeit desVerzierens. Um Platz und Richtung der einzupressenden Ornamente anzugeben, werdengern einige Hülfslinien leicht eingeritzt (vgl. Fig. 8, 13). Die Druckmodel von Hartholz,welche die Verzierungen in negativem Tiefschnitt enthalten, werden aber nicht direktauf den so zugerüsteten Stein gepresst, sondern es wird auf dem Model zunächst einwenig besonders feine Tonerde ausgeknetet und erst dann mit kräftigem Druck diePressung vollzogen, so dass jene auf das Model geknetete Schicht bei dem Abheben desHolzstempels im lederharten Blocke haftet x ). Nur auf diese Weise liessen sich dieOrnamente mit jener tadellosen Schärfe auspressen, die wir an den alten Steinen be-wundern. Darauf müssen die Werkstücke bis zum Brennen noch längere Zeit vollendsaustrocknen. Jene gewaltigen Monolithe, wie die grösseren Fensterpfosten oder Doppel-kapitäle (z. B. Fig. 2 und 20) bedurften zum Austrocknen mehrerer Monate. Solch grosseStücke sind aber nicht völlig durchgebrannt worden, sondern nur bis auf eine Tiefe vonetwa 10 Centimeter; sie bergen deshalb einen Kern von brüchigem, sprödem Materiale.Ueber die baulichen und technischen Vorkehrungen für das Brennen der alten Back-steine fehlen uns nähere Aufschlüsse. Vielleicht gelingt es noch, in den Wäldern beiS. Urban Spuren eines Brennofens, wie sie ja noch der Chronist Sebastian Seemann im16. Jahrhundert sah, zu finden und zu untersuchen.
Reste von gelblicher oder grüner, dicker aber sehr durchsichtiger Glasur, wiesie auf einigen Bodenplatten von Altbüron und Zofingen * 2 ) beobachtet werden können,
>) Anhaltspunkte für diese Erklärung der Technik des Verzierens geben zahlreiche Backsteine, bei welchensich längs der Ornamentränder bei dem Brennen Risse gebildet haben, weil eben dort die Masse des Steines sich mitder eingepressten Tonschicht nicht innig verband. Solche Risse lassen sich bis in eine Tiefe von 3—4 cm verfolgen.Besonders deutliche Beispiele: ein Fragment aus Wynau im Museum von Bern , Fensterpfosten vom Hause Nr. 282aus Zofingen im Museum von Aarau; ein Schichtstein mit Ornament Nr. 56a aus dem S. Urbanhof in Zofingen u. v. a.
2 ) Fliesen von Altbüron im Museum von Bern, Basel und im Landesmuseum; Platten vom S. Urbanhofin Zofingen im Museum von Aarau . — Zufällig aufgeflossene Krusten von Glasur auch auf den Lagerflächen von zweiKeilsteinen des Bogens vom Raben in Zofingen (Landesmuseum Inv. Nr. 84 und 85).