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Festgabe auf die Eröffnung des Schweizerischen Landesmuseums in Zürich am 25. Juni 1898 / H. Angst, H. Pestalozzi, J. Heierli, R. Ulrich, J. Zemp, J.R. Rahn, H. Zeller-Werdmüller
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162
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J. Zemp — Die Backsteine von S. Urban.

werfen ein weiteres Licht auf die Vielseitigkeit und technische Routine der Werkstättenvon S. Urban. Doch sei konstatirt, dass solche Exemplare seltene Ausnahmen bilden,und dass die Mehrzahl der bis jetzt bekannten Bodenfliesen dieses farbigen Schmuckesentbehren. Gewiss haben wir es nur mit vereinzelten Proben zu tun.

Als merkwürdigste Erscheinung in der Backsteinfabrikation des Klosters S. Urbanhaben die eingepressten Ornamente ein Anrecht auf besondere Beachtung. Zweifelloswaren die zum Verzieren der Werkstücke benutzten Negativ-Model in Holz geschnitten.Mehrere Beobachtungen an den Abdrücken beweisen das aufs sicherste 1 ). — Manhat darauf hingewiesen, dass die Verteilung der Ornamente auf den Backsteinen denfeinen Sinn jener Künstler, welche die Zeichnungen entworfen und mit staunenswertemGeschick in Holz geschnitten haben, vermissen lasse 2 ). In vielen Fällen trifft das zu,in ebensovielen nicht. Beispiele von höchst geschmackvoller und der Bestimmung desSteines fein angepasster Verteilung der Ornamente gibt es zu Hunderten. Wenn aberoft dieser feine Sinn und gute Geschmack vermisst wird, so übersehe man nicht, dassder Betrieb der Werkstätten grosses Personal und weitgehende Arbeitsteilung erforderte.Während der Dauer von etwa fünfzig Jahren mussten Arbeitskräfte von feinem Formen-sinn mit Leuten von geringerem Verständnis wechseln, und man darf annehmen, dass

!) Den Beweis liefern folgende Beobachtungen:

a) Einige Model waren der Länge nach gesprungen: Nr. 9, 27, 28, 91. Von einem Model (Nr. 39) gibtes Abdrücke ohne und solche mit einem Sprunge (ohne: Landesmuseum Inv. Nr. 299, aus Altbüron ; mit:Landesmuseum Inv.-Nr. 233, Altbüron ).

b) Zwei Model (Nr. 30 und 35) hatten während des Gebrauches an den Schmalseiten durch Abstossen vonHirnholz-Splittern Beschädigungen erlitten; diese kamen als Erhöhungen, welche sehr scharf die Strukturdes Holzes zeigen, zum Abdruck (Exemplare aus Altbüron im Museum von Bern ). Bei Nr. 30 ist zudemam Inschriftrande ein kleines Holzstückchen, wohl als Reparatur einer Beschädigung, eingeflickt.

c) Ganz scharfe Abdrücke lassen auch bei unbeschädigten Modeln hie und da die Richtung der Holzfasernerkennen. So besonders die Abdrücke von Nr. 77, wo die Fasern vertikal laufen.

d) Ein Model (der grosse Löwe von Fraubrunnen , Nr. 90) besass mehrere Wurmlöcher, die sich in denAbdrücken als kleine, runde Erhebungen regelmässig erkennen lassen.

-) F. Vetter, Anzeiger für Schweiz . Altertumskunde, 1886, S. 243. — Die Frage, ob ursprünglich die

verschiedenen Formen von Modeln eigens für die verschiedenartigen Werkstücke gewählt wurden, böte Anlass zu be-sonderen Betrachtungen. Von vielen Modeln gilt es, dass sie in vorzüglichster Weise die sichtbaren Flächen gewisserWerkstücke zu dekoriren geeignet sind. Sehr rationell wird das Rautenmuster Nr. 50 auf Bodenfliesen gepresst (Tür-schwelle im S. Urbanhof in Zofingen ). Im übrigen erscheinen auf Bodenfliesen die Ornamente gern in diagonalerRichtung; bevorzugt sind hiefür Nr. 32, 28, 35, 40. Zur Dekoration von Keil- und kleineren Schichtsteinen (TypenXXIV—XXX) eignen sich vorzüglich die rechteckigen Model (Nr. 9—25, 27—35). Die Fasen der Werkstückewerden sehr passend mit den kleineren, quadratischen und rechteckigen Modeln (Nr. 73—83) geschmückt; die Flächender grossen Schichtsteine (Typus XXII und XXIII) eignen sich vorzüglich zur Verzierung mit den grösseren quadrati-schen Modeln (Nr. 53 — 62). Nicht selten trifft man hübsche Kombinationen und symmetrische Zusammenstellungen,deren Nachweis im einzelnen zu weit führen würde. — Als Beispiel misslungener Dekoration mag bloss der Fenster-sturz aus dem Hause Nr. 282 in Zofingen erwähnt sein (Fig. 34, C), wo die Wappen mit der Spitze nach obengekehrt sind. — Unsere Illustrationen geben von der Alt der Verteilung und Anbringung der Ornamente eine ge-nügende Vorstellung.