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Jakob Stampfer , der als solcher dem Medailleur Peter Flötner nahe kommt, wird inder Kunstgeschichte immer noch seine Stelle finden.
Eine getriebene Arbeit Stampfers, in Gestalt eines Globus mit Gestell undMeridian, den Jahreszahlen 1539 und 1552, zeigt im Innern des Kusses das Wappen derAmerbach und das Jahr 1557, ihn besitzt die Basler Universität; er ist im historischenMuseum zu Basel aufgestellt, und trägt den Zürcher Stempel mit dem Z undStampfers schon erwähnte Marke.
Drei Söhne Stampfers (Hans Ulrich, Meister 1558, gest. 1580, Hans, Meister 1566,gest. 1586, Jakob, Meister 1570) folgten dem Berufe des Vaters; ebenso ein Enkel HansUlrich (Meister 1581, gest. 1640) und ein letzter Sprosse des Geschlechtes Hans (Meister1634, gest. 1687). Sie standen alle in öffentlichen Ämtern und gutem Ansehen.
Tafel II.
Schale mit der verkehrten Welt von Abraham Gessner.
Hatte Stampfer als Münzmeister von jeher einen gutenKlang, so war der Name Abraham Gessners bis vor drei Jahrenjedermann unbekannt. Seine zum Teil längstbekannten undhoch geschätzten Arbeiten mussten als Werke eines unbekanntenMeisters hingestellt werden. Vielfach schrieb man sie dem 100Jahre jüngern Hans Peter Oeri zu, obwohl sie entschieden derHochrenaissance und dem XVI. Jahrhundert angehören. Letztereshat Marx Rosenberg auf dem Gewissen, welcher den Stempel
f für denjenigen Oeri’s ausgegeben hat, obgleich das Zeichendes letztem, das Oerische Wappen (in [gelbem] Eeldmit [schwarzen] Querbalken drei Mohrenköpfe mit Zindelbinde [oben 2, unten 1])längst festgestellt ist. Ein glücklicher Zufall führte mich zur Vergleichung des rätsel-haften hauszeichenartigen Stempels mit Signet und Siegel des Buchdruckers AndreasGessner und ergab deren völlige Übereinstimmung. Abraham Gessner hat die alteGessner’sche Hausmarke als Goldschmiedzeichen benutzt, während eine offenbar vonihm selbst hergestellte Anhänge-Medaille (in der Münzsammlung der Stadtbibliothek)auf einer Seite das Wappen zeigt, welches 1564 vom Kaiser Ferdinand I. dem Natur-forscher Konrad Gessner , dessen Onkel Andreas und seinen Nachkommen verliehenworden ist. Auf der andern Seite des Schaupfennigs ist ein kleiner Amor mit Füll-horn und Taube dargestellt. War dieser zierliche Pfennig, dessen Bild zum Schmuckedieses Abschnitts verwendet ist, etwa ein Geschenk Gessners an seine Braut ?
Abraham Gessner wurde im Jahre 1552 als Sohn des bereits bejahrten Zunft-meisters der Saffran , Andreas Gessner (Onkel des berühmten Naturforschers) und derCharitas Vögeli von Konstanz geboren. Er war ein jüngerer Stiefbruder des Buch-druckers Andreas und des Goldschmiedes Elyas Gessner (geb. 1543, lebt noch 1608,hatte niemals Lehrlinge). Sein ältester Schwager Bartholomäus Müller (1531 Meister,