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Festgabe auf die Eröffnung des Schweizerischen Landesmuseums in Zürich am 25. Juni 1898 / H. Angst, H. Pestalozzi, J. Heierli, R. Ulrich, J. Zemp, J.R. Rahn, H. Zeller-Werdmüller
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H. Zeller Zur Geschichte des Zürcher Goldschmiede-Handwerkes.

gestorben vor 1598) war ebenfalls Goldschmied, wie ein anderer Schwager Josua Ammann(Meister 1558, gestorben 1564, Bruder des berühmten Holzschneiders Jos. Ammann)und sein Schwestersohn Hans Sturm (geb. 1541, Meister 1567). Dieser letztere, 159°1608Handwerkseckelmeister, hatte viele auswärtige Lehrlinge, selbst von Nürnberg und Toursund war auch Lehrmeister von Hans Heinrich Riva. Er starb 1614. In ihm vermuteteich ursprünglich den Meister mit der jetzt als gessnerisch erkannten Marke. Gessnertrat 1563 bei seinem Schwager Müller in die Lehre, wurde 1571 Meister und verheiratetesich mit Ursula Rahn, Tochter von Hans Rahn und Verena von Chusen. Sein ersterLehrling war einer seiner Brüder, Emanuel Gessner, während ein anderer, Josias Gessner,1571 bei Bartholomäus Müller eingetreten war, und ein nicht bestimmt im Stammbaum ein-zureihender Andreas Gessner 1565 bei Jakob Bräm. Diese drei sind wahrscheinlich frühgestorben, Meister wurden sie in Zürich nicht. Von Abraham Gessners weiterm Leben weissman wenig, man könnte ebensowohl seinen Bruder Elyas für den Meister der zu be-sprechenden Werke halten, wenn dieser letztere nicht durch den Mangel an irgend einemLehrling als ganz unbedeutend gekennzeichnet wäre. Die Teilnahme Abraham Gessners ander Hirsbreifahrt von 1576 macht es zudem von vornherein wahrscheinlich, dass eben erdie mit dem Gessnerschen Stempel versehene Strassburger-Schale angefertigt hat. Er starb1613 in Stühlingen (hatte er beim Landgrafen Arbeit auszuführen oder abzuliefern?),und hinterliess laut Vogtrechnung vom 7. Juli 1614 ein Vermögen von 876 Pfund 9 hl.Seine 10 Kinder waren grösstenteils nach Mähren gezogen, also wahrscheinlich wie mehrereandere Angehörige des Goldschmiedhandwerks, Sektirer. Der in Zürich anwesendeSohn Isak Gessner war «auch nicht anders», deshalb blieb das Vermögen in amtlicherVerwahrung, und er erhielt nur den Zins. Dieser Sohn war 1620 Soldat im Bündner-krieg und kam 1623 in den Spital.

Von Abraham Gessner kennen wir einen Becher, drei Schalen und zwei Globen.

Der Becher befindet sich unter Nr. 754. 1891 im South-Kensington Museum.Derselbe, ein Stauf, erinnert noch ganz an die Gotik; der Körper ist rund, Rand undFuss sind sechskantig. Er steht auf drei Löwen und drei Kugeln, über welch letztem(später?) drei Wappenschilde (Löwe, Adler und dasjenige von Altdorf [oder Nürnberg ])angebracht worden sind. Mündung und Fuss sind mit durchbrochenem Spitzenwerk ver-ziert, ähnlich der den Hals umspannende Strickwulst (Gütige Mitteilung von HerrnDr. Doer.)

Die schönste Arbeit ist wohl die Niobiden-Schale, welche, aus der SammlungParpart auf Schloss Hünegg, im Dezember 1895 in Köln zur Versteigerung gelangte.Das Innere der Schale zeigt in getriebener Arbeit im Hochrenaissance-Geschmack denSturz der Niobiden. Den äusseren Rand zieren Rollwerk, Fruchtgehänge und mytho-logische Darstellungen in Grabstichelarbeit, die untere Fläche ist mit Rippen undLisenen mit Bandwerk gemustert. Der länglich zugespitzte Knauf des Schaftes, Guss-arbeit, ist mit Engelsköpfen, Fruchtgehängen und Riemenwerk geziert, auf dem Fusseerblickt man zwischen Schilden mit Masken drei längsovale Szenen aus dem Tierleben.Im Innern des Fusses ist ein Plättchen mit dem Wappen der Steiger von Bern ange-bracht. Höhe der Schale 19 cm, Durchmesser 20 cm.