Buch 
3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
Entstehung
Seite
634
JPEG-Download
 

634

II. Das Kostüm des 16. Jahrhunderts.

lehre der Gemüther aller derer bemächtigte, welche ihr im Gleiste alhingen (S. 521). Beides ineinandergreifend, führte die Kleidung i m ^gemeinen auf ein bescheidneres Maass zurück, ja verlieh ihr nach unach, gerade im Gegensatz zu früher, ein absonderliches GeprägeSteifigkeit. Doch vollzog sich dies immerhin nur äusserst langsam- ^höchsten Stände allerdings gingen darin verhältnissmässig früh ‘Sie folgten mehrfach schon vor Beginn der vierziger Jahre der sp al,lsfranzösischen Mode entweder ganz oder doch theilweis (Fig- 239 a - ’vergl. Fig. 205). Die anderweitigen Stände verharrten min e snoch bis um die Mitte der sechsziger Jahre bei den gewohnten J*°^_lind einer weitern Ausbildung eben nur dieser, sie bis dahin einerähnlichen Wandlung nur sehr vereinzelt und auch nur ihrem W esen ‘sehr bedingtermassen unterwerfend. Auch erst damit beginnen sichderum, in Verein mit den stetigen Erneuerungen der Aufwandgesef® e i _Klagen der Sittenprediger und zwar nun vorzüglich auch über da»kommen fremdländischer Trachten in verstärktem Grade zu er ’ e ^ enSo unter anderem der Magister Westphal: „Wenn man sich in der "Welt umsiehet und Achtung darauf giebt, so wird man finden, da»=alle Völker, Länder und Nationes ihre eigene besondere gewisse 3 r ^„Art und Form der Kleidung haben (u. s. w.). Allein wir Deiü 5 ^)haben nichts gewisses, sondern mengen dies jetzt erzählte und noc ^mehr alles durcheinander, tragen "Welsch, Französisch, Husernisch, 11

die

UH'

1 Bei weitem die meisten Klagen richteten Bich fortdauernd geg en e ämiissige Tracht der Schlitz- und Pluderhosen. Im Jahre 1555 untern® ^ j„Dr. Andreas Museulus, Professor zu Frankfurt und Generalsuperinten ^. egeder Mittelmark, sie von der Kanzel herunter scharf mitzunehmen, ^ e r*

seine Predigt um 1556 in Druck herauszugeben unter dem Titel: „5 0 y e pluderten, Zucht- und Ehrverwegenen pludrigten Hosenteute •mahnung und Warnung.“ Das Scliriftchen erlebte (155" und ln jj uB genAuflagen. Alsbald folgten ihm andere Geistliche mit ähnlichen Abhan j nunter ähnlichen Titeln nach. So entstanden in kurzen Zwischenräume 11 ’ ’Tanzteufel, Gesindteufel, Saufteufel, Hurenteufel, Hofffahrssteufel, ^ el(1Schmeichel-, Sorgen-, Lügen- und Liisterteufel“ u. s. w. Sie, bis z® u0 terherangewachsen, wurden insgesammt von dem Buchhändler Feieraben f e idem Titel: „Theatrum diabolorum“ um 1569, sodann, durchvermehrt, um loi5 in einem Foliobande, und, als dieser vergriflen wai, allC iizehn neuen Teufeln um 1587 in zwei starken Foliobänden herausgegeben,schrieben gegen die Pluderhosen und den sonstigen Kleideraufwand: J- j^ n cfl sElsterberg. Wider den Kleider- Pluder- Pauss- und Ivraus-Teufelj Be n;

Osiander. Von hoffertiger ungestalter Kleydung der Weibs-u. Mannsp ^^aCyriakus Spangenberg . „Von der Frauen Hoffartli und ihren .^ err iiuhund: „Wider den Hoffahrtstouffel, der jetziger Zeit solchen praclit, ) T „dvnmass, vppigkeit vnd leiclitfertigkeit in der Welt treibet, mit vberflü® 61 ^ { 5 s-vnziemlicher Kleydung. Kurz und einfältig durch Joacli. Westph® 11 ^lebiensem etc.; Job. Spangenberg. Ehelicher Ordensspiegel. 1 * 1 '