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Lust, und Liebe zum Tod, samt der grossen Kunst gottselig zu sterben : das ist: Gründlicher Beweisthum, dass ein rechter Christ den Tod nit förchten, sondern mit Begierd standhafftig erwarten, und mit Freuden empfangen solle samt lehrreicher Unterrichtung, wie man sich zum Tod bereiten, wohl, und glückseelig sterben könne / beschrieben durch A.R.P. Gerald Wieland, Capitularen des Fürstlichen Gottshauss St. Gallen
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28 Ersten Theils/ ersten Capitels.

Macklen der Sünden also reiniget/ daßes weiters kein fegen braucht.

Es lehren alle Gottsglehrte/ daß einin einem hohen Grad heroische Tugend-Ue-bung der wahren Demuth / Büß/ und Lie-be Gottes / nicht nur die Schuld / sondern«uch alle Straff hinweg nehme/ wie wirsehen an dem guten Schahcr/ an MariaMagdalena/ und anderen Heiligen.

Wann nun der Tod mit einem rechtenChristlichen Heldenmuth aufgenommenwird/ so werden diese heroische Tugendenim höchsten Staffel geübt/und ist also wei-ter kein Fegfeur zu fürchten / sonderbar /weilen GOkt flbsten wegen der Sünd denTod zur billichen Abstraffung verordnet /wird er selbigen schon fcharpssen nach Maaßder Schuld/ daß hernach kein Peyn mehrvonnöthen seyn wird bey dem jenigen/ derden Tod Christmüthig ausgestanden hat.

O wie ein grosse Glückseligkeit ist dannder Tod! O was für ein köstlicher Schatzist verborgen in dem Tod! O was grosseGnaden seynd verdeckt unter der erschreck-lichen Larven deß lieblichisten Tods! O wieviel ist daran gelegen/ daß man sich gott-selig rüste zum Tod