r8o Betrachtung
keinen Bischofs oder Prälatendeß Klosters habe gebraucht/sonder einen einfältigen Läyen-Bruder. VamLicen-! wurdestdll es nicht hoch empfinden/wanGOtt/ oder deine Oberen mitdir also wurden nmbgehen/undetwan cmLäyen-Bruder oderLäycn - Schwöster dich durchheylsame Räth und Ermahnun-gen zur Besserung deß Lebenswurden ermähnen? So haltefür gewiß / daß eben dise unsereHoffarth ein grosse Hinderungder Vollkommenheit/ und daßwir nicht frömmer werden.
Betrachte/ daß weilen Komu-aiau5 in disem Kloster seinemBeruff und Eyffer nicht könteein Gnügen thun / und strenggnug leben / habe Er sich mitBewilligung seines Prälaten zu-einem Heil. Eremrten/mit Nahmen/begeben/und mitIhme rn einer Cinöde/nahe beyVenedig/ ein sehr streng undhartes Leben geführt; Weilenaber komusiäu, jm Betten/Psalliercn/ und Singen nochnicht zum besten erfahren gewe-sen/ und Ihnne Kt-nnur fernMeister mit einer Gerten/so offtEr fühlte/ auf die rechte Seitendeß Haupts geschlagen/daß sein
Gehör nicht wenig geschädigtwurde / habe Er seinen Meistergebetten/daß Er Ihnne auch aufdie lincke Seiten schlagen wolte:Mein Vatrer/ sagte Er/ wann csdir belieben wolte / auf das rechteOhr forthin zu schlagcn/dann daslincke / so drr bißhcro getroffen / istschon verharret / und hat das Ge-hör vcrlohren.
Erforsche dich / ob du Erstlichmeidest die Gesellschafft/ welchedir im Weeg der Tugenden ver-änderlich seyn? Ob du zum An-deren allzeit einen solchen Nat-ter suchest/und dich Ihnre gernunteliverssest/der dich im Geist-lichen Leben unterweiset/ermah-net/und abstraftet? Ob du Drit-tens/solche Ermahnung undAbstrassung mitGedultleydest?Stelle dir zu Zeiten vor Augendas Exempel dises zart-ausser-zegnen Jünglings / der in einerso groben Abstrassung jederzeitso gedulttg gewesen; so grosserUnbescheidenheit mit so grosserBescheidenheit und Sanfftmuthallzeit begegnet/ und dich straffetman zu Zeiten nicht mit Strei-chen / sonder nur mit Worten;Von dem Bösen wirst du abgc-halten/und zumGuten angetrie-ben / nicht mit Zorn und Unge-
stümme/