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Verzeichniss der Handschriften der Stiftsbibliothek von St.Gallen / herausgegeben auf Veranstaltung und mit Unterstützung des Kath. Administrationsrathes des Kantons St. Gallen
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CODEX 53.

Texte selbst) zur Vergoldung des Codex beitrug, begegnet in einerUrkunde v. J. 903 (Urk. B. II, p. 332). Laut Ekkehart sind derSage nach (' ut ajunt) die beiden Initialen L und C pag. 7 und 11vom Bischof Salomo (f 920) eigenhändig in hohem Alter gemalt(Cod. 615 p. 97. Monum. II, 92), würden somit ins X. Jh. gehören.Ueber die Initialen vgl. Rahn Gesch. p. 138139; sie stehnunmittelbar auf dem weissen Pergament, und zeigen noch mehrGekünsteltes als die des Psalterium aureum.

Die zwei Elfenbeinplatten am Deckel, 32 Centim. hoch,15 breit, mit zierlichen Acanthus- und andern Ornamenten (nachdem Muster des Reliefs von Cod. No. 60) und lebendig bewegten,ausdrucksvollen Figuren, die nur in der Gewandung und andermNebenwerk noch etwas unfrei modellirt sind, liegen in 4 C. breitenRahmen von vergoldetem Silberblech, mit getriebenem Blattwerkund Juwelenschmuck. Sie sollen nach Ekkehart, der sich übrigensselbst auf blosse Sage beruft ('ut ajebant Cod. 615 p. 85 86)die nämlichen, nicht blos ähnliche sein, wie sich laut Einharts' Zeugniss Karl der Grosse ihrer (quas p. 87) als Schreibtafeln-bediente und die aus dem Schatz E. B. Hattos von Mainz (f 913)an Abt Salomo III. gelangt wären (Cod. 615 p. 85 91. Monum.II, p. 88 89). Diese Ekkehartsche Erzählung wird indess be-zweifelt von Neugart Episc. Constant. I. a. p. 264 und neuerlichvon Dümmler: Formelbuch Salomos III. (Leipz. 1857) p. 108 bis115:Einschaltung über die Glaubwürdigkeit von Ekkeharts CasusS. Galli. Die hintere der beiden Tafeln, Mariä Himmelfahrt undGallus mit dem Bären, ist vermöge des letztem Motivs offenbarSt. Gallischen Ursprungs und nach Ekkehart pag. 88 Cod. ange-fertigt von dem St. Galler Mönch Tutilo (urkundl. zwischena. 895 und 912, f 27. April nach 912; vgl. St. Gail. Mitth. XI,p. 105); vielleicht stammt aber auch die vordere, Christi Glorie,die nach Ekkeh. 1. c. schon Hatto besass und man sonst fürbyzantinisch oder früh italisch hält, vom Urheber der erstemTafel her, da sie im Styl sich nicht wesentlich unterscheidet (RahnGesch. I, p. 111113 mit Abbildung). Ueber diese und ähnlicheArbeiten siehe Förster Deutsche Kunstgesch. I, 34; Schnaase K.G. IV. 2. p. 499; Otte Kunstarchäologie 4. Aufl. p. 132 und 659(mit Kopie des Frontalbildes nach Förster) und Lübke Gesch. derPlastik p. 283 Fig. 116; die Tafel der Rückseite (Mariä Himmel-fahrt) in Pipers Evangel. Kalender 1860 nach einem Gypsabgussdes christl. Museums in Berlin; beide Tafeln lithogr. im S. Gail.