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Verzeichniss der Handschriften der Stiftsbibliothek von St.Gallen / herausgegeben auf Veranstaltung und mit Unterstützung des Kath. Administrationsrathes des Kantons St. Gallen
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CODEX 546.

(Brander, genannt Pfister, Conv. S. Gail, f 1520) für Abt FranzGaisberg. Von fol. 150 Tropen Tutilos u. A.; von fol. 51 anSequenzen Notkers, der Ekkeharte, Hartmans u. a. altern undjüngern Patres S. Gallenses. Zwischen f. 50 und 51 vier BlätterRegister, Vorreden Notkers und Personalnackrichten von St. Gail.Hymnendichtern. Den einzelnen Gesängen ist ausser dem Festtaghäufig auch der mehr oder minder beglaubigte Name des Text-urhebers vorgesetzt. Den Namen Notkers tragen hier nicht nur50, sondern 89 Sequenzen. Die Texte sind überall vollständigausgeschrieben, die alten Melodien, die sich bis ins 16. Jh. unver-ändert erhielten, aus der Neumenschrift in den modernen Tonsatzauf 5 Natenlinien transponirt. Aus diesem wichtigen Codex sindgeschöpft: 17 Texte bei Mone (Lat. Hymnen d. M. A. 1853); 129bei Morel (Hymnen 1866); die NN. 1 378 im 5ten Band vonDaniels Thesaur. hymnol. (1856) und 20 Melodien bei Schubiger(Sängerschule 1858). Manche, aber bei weitem nicht alle vonBrander gegebene Stücke finden sich vielfach in andern theilssehr alten, theils jtingern st. gall. Handschriften vor. Ein Textunter der seltsamen Benennung: Liddy Carlomanqjci fol. 128 bCodicis (Lydio Charromannico bei Ekkehart Casus cap. IX Cod.615 p. 200, recte 190) ist abgedruckt bei Mtillenhoff und SchererDenkm. p. 30910 (Erste Ausg.). Ueher diesen Text, sowieüber die angeblich mangelhafte Versabtheilung bei Brander vgl.auch K. Bartsch Die lat. Sequenzen (Rostock 1868) p. 21 und 157bis 162. Eingeheftet sind noch in Cod. 546 zwei gedruckteLieder: S. 2Verbum bonum und S. 55:Ave praeclara, beidedeutsch von Seb. Brant; und ein geschriebenes S. 1: Congaudentangeli, deutsch von Ludw. Moser. (Vgl. über Letztem Mülinen *Helv. sacra I, p. 229 und über die höchst seltenen alten Druck-blätter Seb. Brants: St. Gall. Mitth. II, 147.)

Laut Schedula zwischen fol. 18 und 19 wurde dieser Codex, derwiewol sauber geschrieben doch gewissermassen Concept und öftermit eingeklehten Blättchen und allerlei Zusätzen vermehrt ist,a° 1510 in einer Prachtausgabe auf Pergament kopirt (Fran-ciscus . . . scribi, notificari, illuminari nec non decorari commisit)

vilis Hunc domino coli prece committe fideli Hoc opus acceptum tibi sit pie Galleper evum At si quis. rapiat raptum nunquam bene vertat etc. Actum sub dnovenerando abbate S. Galli Francisco Gaisberg anno dni a nativitate 1507 in vigiliasci patris nri Benedicti abbatis.