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Verzeichniss der Handschriften der Stiftsbibliothek von St.Gallen / herausgegeben auf Veranstaltung und mit Unterstützung des Kath. Administrationsrathes des Kantons St. Gallen
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CODEX 546.

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und zwar laut Metzlers Chronik 'cujusdam (Leonardi) WirstliniAugust. S. Udalrici monachi excellentis scriptoris opera, eine Hs.,die noch im Scheuchzerschen Verzeichniss der a° 1712 nachZürich gebrachten Bücher erscheint (Weidm. Gesch. p. 429), seit-her aber verschollen ist.

Die berühmte Antiphone 'Media vita steht fol. 319 b320des Cod. 546 und zwar so geordnet, dass auf den ursprünglichenText 'Media vita irasceris zunächst die Strophe 'Ach. Homoperpende etc. folgt; dann nachSancte deus diezweite Strophe:'Ve Calamitas inedie und nachSancte fortis die dritte 'HeuNil valet; woran sich erst die drei Versus: In te speraverunt etc.Ad te clamaverunt und: Ne despicias anschliessen; den Be-schluss macht : Sancte et misericors ( tradas nos). Sonstkonnte ich das Lied nur noch in zwei St. Gail. Hss. auffinden:Cod. 418 (chartac. a° 1431), wo S. 177 der blosse Grundtext ohnedie Einschiebsel und ohne Melodie eingetragen ist; und Cod.membran. 388 p. 474 (Anhang, saec. XIV), hier mit Neumen undin anderer Anordnung. Die drei Strophen Ah, We und Heufolgen nämlich erst nach, während die Versus: In te, Ad te undNe zwischen die Anrufungen des ursprünglichen Textes ein-geschoben sind, sowie auch ein besonderer Absatz ('Vigilateomnes et orate etc. bis: dormientes) hinterjuste irasceris.Am Rande steht beim Anfang die Note:in medio quadragesimaeund beim Vers 'In te: 'Versus vlc media Super media vita.Dagegen nennt die Rubrik in Cod. 546 als Festzeitannuatimferia secunda rogacionum ad S. Yeorium und ausserdem 'in magnistribulationibus omnibus; eine zweite Rubrik fügt hinzu:Sedantiphona haec cum hys sequentibus versibus III potest cantari indie omnium fidelium defunctorum post LX m Libera me domine adbene placitum. Was ebendaselbst noch über die Absingung beiZweibrücken nächst St. Gallen gesagt wird, siehe in SchubigersSängerschule p. 56 und Arx Gesch. Zusätze I, 18. Die Antiphon(abgesehn von den Einschiebseln) ist bekanntlich alt, da schon1234 der Bremer Clerus sie gegen die Stedinger sang (AlbertStadens. Chron. Wolter Chron. Brem.) und eine Kölner Synodev. J. 1310 Canon 21 gebot: Es sollen keine Verwünschungengeschehn, auch nicht media vita gegen gewisse Personen gesungenwerden. (Siehe den Wortlaut bei Binterim Concil. VI, p. 451 ; vgl.Hefele Concil. Gesch. VI, p. 431.) Die Handschriften der Anti-phon reichen nicht über das XIV. und XV. Jh. hinauf (Münchner,