Schliesslich sind ja die Freuden, welche aus dem Alkoholhervorgehen, nicht so gross und unersetzlich. Auch dieAbstinenten haben Freude am Dasein, und in ihren Kreisenherrscht Frohsinn und Lust. Man kann nicht behaupten,dass die Frauen, die doch meist Abstinenten sind, wenigervergnügt seien als die Männer, und im „Kaffeekränzlein“soll es zuweilen recht fröhlich zugehen. Wenn der Alkoholdie Geselligkeit dadurch fördert, dass er die Schrankendes Wohlanstandes und der schuldigen Rücksicht nieder-reisst, dass er auch den Dummkopf nicht witzig, aberfrech und geschwätzig macht, so ist das doch gewiss keinVorteil.
Auch zur Betäubung unserer Sorgen brauchen wirihn nicht. Ein geistig gesunder Mensch muss seine Kümmer-nisse tragen und überwinden lernen. Nur der Feiglingweicht den Lasten des Lebens aus. Und erscheint dannder Kummer nach verflogenem Rausch nicht doppelt schwer?Regelmässiger Wechsel von Arbeit und Ruhe ist für unsereNerven die richtige Erholung. Der Schlaf ist der besteNervenstärker. Jene Zeiten, wo der Arzt den Alkohol alsHeilmittel verordnete, sind vorbei. Die Rolle des Alko-hols am Krankenbett ist ausgespielt.
Vor wenigen Jahren veröffentlichte Marambat, derVerwaltungsgerichtsschreiber des Pelagiusgefängnisses inParis, eine Arbeit, die uns den Zusammenhang zwischenVerbrechen und Alkoholismus klar vor Augen führen dürfte:
Von 2950 Verurteilten, deren Vorleben der Verfasserkannte, waren 2124, d. i, 72 °/o, dem Trunke ergeben. Von1898 wegen Diebstahls, Unterschlagung, Fälschung Verur-teilten waren 1346 (70°/o) Unmässige.
Eine Erhebung von Dr. Bär an 32,837 Gefangenenin 120 deutschen Strafanstalten hat ergeben, .dass derRausch verschuldete:
63°/o aller Morde und Misshandlungen mit tätlichemAusgang.
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