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„Ich begehre nun keine Blätter mehr,weder grüner, noch roter, noch gelber!
Hätt’ ich nur meine Nadeln,ich wollte sie nicht tadeln.“
Und traurig schlief das Bäumlein ein,und traurig ist es aufgewacht;da besieht es sich im Sonnenschein,und lacht, und lacht!
Alle Bäume lachen’s aus;
das Bäumlein macht sich aber nichts daraus.
Warum hat’s Bäumlein denn gelacht,und warum denn seine Kameraden?
Es hat bekommen in einer Nacht
wieder alle seine Nadeln,
dass jedermann es sehen kann;
geh ’naus, sieh’s selbst, doch rühr’s nicht an.
Warum denn nicht?
Weibs sticht. Friedrich Rückert.
99. Das verlorene Schnecklein.
Bei einem kleinen Teich im Wald stand eineTanne; unter der Tanne wuchsen eine Menge Veil-chen, und dazwischen wohnten einige Familien: Herrund Frau Schnecke, Herr und Frau Goldkäfer undder Johanniskäfer mit seiner jungen Frau. Die zweigingen nie eines ohne das andere aus. Sie lebtenalle im Frieden zusammen; des Abends sassen siegerne vor ihren Haustüren und erzählten sich allerlei.
Nur über den ältesten der Familie Schneck ärger-ten sie sich. Er lief oft von seiner Mutter weg undkam stundenlang nicht wieder nach Hause, oder erkletterte an einer hohen Pflanze in die Flöhe, getraute