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wird eine festliche Feier uns in die fröhlichen Reihen aufnehmen?Morgen ist Sonntag, da soll der Leib seine Ruhe haben und dasLerz seine Freude.
Noch immer läuten die Glocken, sie klingen so hell und klar, alswollten sie uns etwas wundersam Schönes und Wonniges versprechen.
Wenn ich morgen die Augen öffne, dann steht der Gedanke,daß Sonntag ist, wie ein lichter Engel vor meinem Bette, der michmit freundlichem Gruße geweckt hat. Dann scheint die Sonne Hellerals sonst und alle Tautropfen blitzen köstlicher — und wenn es regnensollte, dann werden die fallenden Tropfen nicht mürrisch murmeln wiesonst, sondern mit leisem, glucksendem Lachen zu Boden springen —weil es Sonntag ist, und wir sind alle so nett herausgeputzt undsehen eine respektable Miene auf. Wenn der Gottesdienst zu Endeist, dann rauchen alle Schornsteine, und sie rauchen lustiger als sonst,gleich als wollten sie allerlei verraten von guten Sachen, mit denender Lerd heute zu tun hat.
Ach, da läuten die Glocken aus, leise und immer leiser kommendie letzten Töne. Danke dem Äerrn für den Sonntag — und laßihn dir nie nehmen!
Schäfers ^»onntagslied.
L. Ahland.
Das ist der Tag des Herrn IIch bin allein auf weiter Flur;noch eine Morgenglocke nur,nun Stille nah und fern.
Anbetend knie ich hier.
G süßes Graun, geheimes Wehn,als knieten viele ungesehnund beteten mit mir!
Der Himmel nah und fern,er ist so klar und feierlich,so ganz, als wollt' er öffnen sich.Das ist der Tag des Herrn!
Maria.
Novalis.
Ich sehe dich in tausend Bildern,
Maria, lieblich ausgedrückt,
doch keins von allen kann dich schildern,
wie meine Seele dich erblickt.
2ch weiß nur, daß der Welt Getümmelseitdem mir wie ein Traum verweht,und ein unnennbar süßer Himmelmir ewig im Gemüte steht.