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Lesebuch für das fünfte Schuljahr der Primarschulen des Kantons St. Gallen / nach Vorl. der kantonalen Lehrmittelkommission hrsg. vom Erziehungsrate
Entstehung
Seite
97
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hinter dem Vordermann, und jeder hielt den langen Spiessvor, so dass die ganze Reihe wie eine eiserne Mauer aus-sah. So rückten sie gegen die Eidgenossen heran.

Diese hatten sich in einemSpitz aufgestellt: Zu-vorderst standen drei, dann fünf, dann sieben Krieger undso fort, sodass jede hintere Reihe ein wenig breiter warals die vordere. Dabei wäre es fast zu einem Streitedarüber gekommen, wer sich an die Spitze des Keilsstellen dürfe. Erst begehrten die Schwyzer diesen Ehren-platz. Die Urner aber sagten, er gebühre ihnen; denn sieseien von altersher bei den Kriegszügen vorangezogen.Die Luzerner machten geltend, dass dieser Krieg sie amnächsten angehe, weil er auf ihrem Boden ausgekochten werde;es sei darum nur recht und billig, wenn sie zuvorderstkämpfen. Das gaben die andern zu und überliessen dieSpitze den Luzernern. Ehe sie den Kampf begannen,knieten die Eidgenossen zum Gebet nieder und flehtenGottes Beistand herab. Dann erhoben sie sich und liefen mitlautem Kriegsruf gegen den Feind. Allein mit ihren kur-zen Hellebarden und Streitäxten konnten sie nicht an dieRitter herankommen. Sie lösten daher den Keil auf. DieMänner aus den hintern Reihen sprangen hervor undsuchten bald hier, bald dort in den Speerwall einzu-brechen; aber die Ritter standen fest und wankten nicht.Da rief ein Urner: Schlagt auf die Spiesse; sie sind hohl!Der Rat wurde befolgt; die Eidgenossen hämmerten mitihren Streitäxten auf die Schäfte ein, und bald lagen ganzeHaufen Speersplitter am Boden. Aber es half nichts; dennfür jeden zerschlagenen Spiess wurde gleich wieder einanderer aus den hintern Reihen vorgestreckt. Die Eid-genossen waren bös daran. Schon lagen viele von ihnenerstochen im Blute, und Schritt für Schritt rückte dieeiserne Mauer vor und drohte, sie zu umschliessen; wennes nicht bald gelang, die Mauer zu durchbrechen, so warensie verloren. Jetzt wurde es auch den tapfersten Männern