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Lesebuch für das fünfte Schuljahr der Primarschulen des Kantons St. Gallen / nach Vorl. der kantonalen Lehrmittelkommission hrsg. vom Erziehungsrate
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Das Echo trägt die Worte des uralten Gebetes von Alp zuAlp, von Hütte zu Hütte. Nun legen sich die Älpler ruhig nieder;denn Grund und Grat und Dach und Habe sind unter den SchutzGottes gestellt. Auf dem harten Lager von duftendem Berghcu liegtbald alles in gesundem Schlafe, bis die Nacht hoch auf den Bergenentflieht.

Die Heilquelle zu Pfäfers. Nach Ulrich und Kaiser.

Im geräumigen Zimmer des Badehofes hat sich eine AnzahlWanderer zusammengefunden, um die Stelle zu besuchen, wo dieHeilquelle entspringt. Der Führer schreitet voran, und die Gästefolgen, einer hinter dem andern. Bald betritt man einen Steg.Unten rauscht die wilde Tamina; links und rechts starren hoheFelswände empor, und vor uns öffnet sich die dunkle Schlucht.

In die Felswand zur Linken sindTragbalken eingerammt. Auf diesenruht ein langer Steg mit starken,Geländer. Es wird dunklerin der Schlucht; der Bretter-pfad ist schlüpfrig vor Nässe.Lautlos stehen einzelne Wanderer.Dort lehnt sich einer ängstlichan die Felswand und staunt indie Höhe, wo er noch einen schmalenStreifen heitern Himmels erblickt.Hier hält sich ein kühnerer mitbeiden Händen am Geländer festund späht in den Abgrund. Draussteigt das stäubende Wasser inDunstsäulen auf. Die Voraus-eilenden huschen bald da, bald dortTaminatal bei Raqaz. um einen Vorfprung und ver-schwinden im Dunkeln bei einer Wegbiegung. Oben neigen sich dieFelswände manchmal so nahe zusammen, daß kaum mehr das Himmels-licht hereinblickt. Ja, an einer Stelle berühren sie sich gar und