bilden hoch oben ein Gewölbe, die Naturbrücke. Ewige Dämmerungund Feuchtigkeit walten in diesem Schlunde. Schwarze Felstrümmerliegen quer im engen Bette der Tamina. In der dunklen Tiefestürzt und braust das wilde Wasser.
Nach zehn Minuten Dämmerung und Nacht kommt man zurwarmen Lebensquelle. Der Führer macht ein Licht und öffnet eineEisentüre. Feuchtwarme Dampfwolken wirbeln uns entgegen. Be-dächtig treten wir in einen engen Stollen. Je weiter wir voranschreiten, desto heißer werden die Dämpfe. Vierzig Schritte hinterdem Eingang erweitert sich der Stollen zur Höhle. Leise plätschertes unten. Ueber eine hölzerne Brustivehr spähen wir in einen tiefenFelsenkessel. Aus einer Spalte sprudelt dort die warme Quelle.Wir kosten das heiße Wasser. Es ist fast ohne Geruch, kristallhellund hat 30 ° K, Wärme. Wie viel Segen für kranke Menschen istaus diesem dunklen Schacht schon emporgestiegen! So ist die Heil-quelle eine wahre Gottesgabe. Ihr hat Ragaz Ruhm und Ansehenzu verdanken.
Der Bergbauer im Tamiuatal.
Eigenartig, rauh und stark, wie die Berge und Schluchten
des wilden' Taminatales ist auch das Volk, das dort seine stille
Heimat hat. In abgelegenen Dörfchen und zerstreuten Höhen wohntes in niedern, sonuengebräunten Holzhäuschen. Das wettergraueSchindeldach ist da und dort noch mit schweren Steinen beladen,und einige frischfarbene Bergnelkenstöcke beleben die schmucklose Haus-front. Zu Großvaters Zeiten hat der Bauer sein Heim und wasdarin ist. noch selbst gezimmert. Es sieht darum alles auch gar einfachaus. Aber praktisch und heimelig ists doch. Wir treten in dieniedere Stube. Sonderbar! — Trotz der glühenden Julisonne
ein überheiztes Zimmer und geschlossene Fenster! Wir haben halt
das Brot im Ofen, erklärt uns die wackere Hauswirtin in ihrerernsten, gutmütigen Art. Sie backt eben das Brot selber und dasgleich für eine ganze Woche auf einmal; denn Bäcker und Krämersind so weit weg, daß man sie nur am Sonntag aufsucht, wenn man