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Siiis kamen Vorwachen in vertrauliches Gespräch. St. GallerScharfschützen gingen bis zu den Schanzpfählen der Lnzcrncrvor und boten den letztern Feldflaschen, Zigarren und Tabak,und sie reichten sich die Hand. Als ein Thurganer beim ZugerGrenzstein vorbeiging, lud er vier sonderbnndischc Schildwachcnein, mit ihm eine Flasche zu leeren. Diese folgten, und alle fünfbrachten der Eidgenossenschaft ihr Lebehoch. Die Stadt LnzernÜbermächte dem eidgenössischen Obersten Zicglcr von Zürich,welcher dort Platzkommandant war, die seit dem Kappeler-Kriegeaufbewahrten Waffen Zivinglis als Geschenk an seine Vaterstadt.Der Haß der beiden sich bekämpfenden Parteien war bald ver-schwunden, und die Krieger, welche bei Gislikon und Meierskappelsich als Feinde gegenüberstanden, stellten sich wieder unter einemBanner brüderlich zusammen zur Verteidigung des Vaterlandes.Immer noch galt also der alte Spruch: „Ihr Eidgenossen seidwunderliche Leute; bei aller Zwietracht seid ihr eins und ver-gesset der alten Freundschaft nicht."
VI. Der Bundesskaak seit 1848.
72. Die neue Kidgenossenschafl.
l. Die wichtigste Folge des Sonderbundskriegcö ivar dieÄnderung der Bundesverfassung. Das war die erste Verfassung,die sich die Schweizer selbst gegeben haben. Am 12. September1848 wurde sie von der Mehrheit der Kantone angenommen.Dann hielt die Tagsatzung ihre letzte Sitzung, erklärte die An-nahme der neuen Verfassung und ordnete die Wahlen für dieneuen Behörden an. Die erste Bundcsvcrsaininlnng wurde am4. November 1848 eröffnet. An Stelle der früheren Vorortewurde Bern als Bundeshauptstadt und Sitz der eidgenössischenBehörden erwählt.